Monsterdoc

Die Geheimsprache der Ärzte (Teil 2)

Einige wertvolle Begriffe der medizinischen Geheimniskrämerei wurden bereits im ersten Teil erläutert. Da aufgrund der neuen Massen-Medienvernichtungswaffen  (TV, Internet …) ein täglicher Overkill an sinnlosen Informationen die Aufnahmefähigkeitsfertigkeiten des Grosshirns stark beeinträchtigt, lesen Sie ruhig noch einmal den Teil 1 der Geheimsprache der Ärzte nach …

In der Medizin ist es üblich im Gespräch auch mit dem Patienten ein sprachlich hohes Niveau zu bewahren. Doch leider haben die besprochenen Themen oftmals mit Dingen zu tun, die entweder unterhalb der Gürtellinie liegen oder mit Ausscheidungen von unangenehmen Körperflüssigkeiten zu tun haben. Daher entschieden sich Mediziner bereits zu Urzeiten eine eigene, neutrale Sprache zu erfinden, die zudem als Geheimsprache innerhalb der Zunft diente. So können sich beispielsweise Ärzte unterschiedlicher Nationalitäten und Sprachen völlig unkompliziert über komplexe medizinische Themen unterhalten ohne die jeweilige Landessprache zu beherrschen. (An alle deutschen Ärzte: Bitte nichts überstürzen und morgen gleich nach Schweden auswandern! Wir haben hier auch Ärztemangel! Aber das ist ein anderes Thema)

Anhand einer Konversation zwischen einem Chirurgen und einem Anästhesisten möchte ich das Thema vertiefen. (Im Übrigen auch das Thema: “Krieg Betäuber gegen Aufschneider”)

Der Patient ist intubiert und an der Beatmungsmaschine angeschlossen. Monoton geht die Luftpumpe auf und nieder, der Herzschlag piepst leise auf dem Monitor. Der Anästhesist blättert entspannt in einer Illustrierten und löst Kreuzworträtsel, während der Chefchirurg mit seinem Team schwitzend eine Hüftprothesen-Operation durchführt. Die Muskulatur des Patienten scheint sich irgendwie anzuspannen. Der Chirurg lugt hinter seiner OP-Haube verärgert hervor.

Chirurg: “Der Patient ist nicht ausreichend relaxiert, ich kann meine Totalendoprothese nicht implantieren!” —- die Muskulatur ist nicht entspannt, ich kann mein Titanteil nicht einbauen —-

Anästhesist: “Ich spritze rasch Muskelrelaxantien!” —- ich spritze später etwas Drogen —-

Chirurg: “Machen Sie schon, Sie …”

Anästhesist: “Ich was …?”

Chirurg: “Sie sind doch den ganzen Tag somnolent und praktizieren einen intracerebralen Meteorismus!” —- Sie schlafen doch den ganzen Tag und überhaupt haben Sie nen Dachschaden —-

Anästhesist: “Selber Caput piger, seien Sie sparsam mit Ihrer Laudatio flatulenzia!” —- Selber Faulpelz, sparen Sie sich ihre gemeinen Worte —-

Chirurg: (will am liebsten hinter die Trennwand) “Ihre oralen Logorrhoen sind mir doch nicht ganz inapparent!” —- Sie haben doch Wort-Durchfall —-

Anästhesist: “Ich glaube Ihre Miktion ist parasympathisch übersteuert. Ausserdem leiden Sie an einer sensorischen Aphasie bei beginnendem dementiellen Syndrom!” —- Machen Sie sich mal nicht in die Hose. Ausserdem haben Sie Wortfindungsstörungen aufgrund einer Demenz —-

Mittlerweile ist der Patient übrigens vollständig relaxiert ….

Chirurg: “Sie Insufflierter Defäkationsassimilator, ich komme gleich und decapitiere Ihren malignen insuffizienten cervikalen Appendix!” —- Sie … Schaumschläger, oder so ähnlich, ich komme gleich und entferne Ihr bösartiges Anhängsel am Hals, meint wahrscheinlich einen Leberfleck? —-

Anästhesist: “Ubi pus, ibi evacuat! Scio me nihil scire!” —- Wo Eiter ist, sollte dieser auch entleert werden! Ich weiss, dass ich nichts weiss —-

Der Gasmann scheint einzulenken, denn nichts ist furchtbarer als ein cholerischer Chirurg …

So oder ähnlich laufen also herkömmliche Konversationen in Operationssälen ab. Ich hoffe, ich konnte also einen Beitrag zum Verständnis beider Berufsgruppen leisten. Die Ärzte und Medizinstudenten unter den Lesern werden gemerkt haben, dass ich teilweise etwas grosszügig übersetzt habe und nicht weiter ins schmuddelige Detail gegangen bin …

Artikel zum Thema passend:

Dieser Beitrag (von insgesamt 847) wurde am Montag, 15. Dezember 2008 um 20:37 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Geheimsprache der Ärzte abgelegt. Du kannst alle Artikel bei Monsterdoc durch den RSS-Feed verfolgen. Alle Kommentare gibts beim Kommentar-RSS-Feed.

«  –  »

8 Kommentare

  1. und ich dachte jetzt kommt sowas harmloses wie das bahlsen-syndrom … wohl eher bei hausärzten beliebt… “einen an der waffel” halt…

    Kommentar: torschtlNo Gravatar (21) – 15. Dezember 2008 @ 22:29

  2. Nicht zu vergessen die tollen Begriffe, die uns “House of God” geschenkt hat.
    Wie sonst sollte man noch die Fassung bewahren, wenn wieder mal ein Gomer per back-turf auf Station eintrifft? Wie sonst könnte man sich über den Famulanten lustig machen, weil er wieder mal Zebras hört? Wie sonst sollte man den Unterschied zwischen Gomers und LAD in GAZ erklären?

    Ganz klar: Das Buch hat der ärztlichen Geheimsprache neue, frische Vokabeln verliehen!

    Kommentar: EarlMobileNo Gravatar (109) – 15. Dezember 2008 @ 23:52

  3. Ich muss gestehen, earlmobile, dass ich wohl der einzige mir bekannte Mediziner bin, der House of God nicht gelesen hat. Habe es damals verweigert, weil alle so begeistert waren und ich gegen den Strom schwimmen wollte. Ich glaube, ich sollte dies jetzt aber doch nachholen.

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 16. Dezember 2008 @ 14:00

  4. Das Buch wäre doch ein ideales Weihnachtsgeschenk!

    Kommentar: EarlMobileNo Gravatar (109) – 16. Dezember 2008 @ 18:30

  5. ogott, chefarzt…. ein MUSS… du wirst dich die ganze Nachtschicht lang kugeln vor lachen… oder weinen, weils einfach die Wahrheit ist. :)

    Kommentar: torschtlNo Gravatar (21) – 16. Dezember 2008 @ 18:49

  6. Was, noch nicht HOUSE OF GOD gelesen *kopfschüttel* Tolles Buch – zynisch, sarkastisch und teilweise mehr als wahr!

    Kommentar: MatthiasNo Gravatar (15) – 17. Dezember 2008 @ 16:40

  7. Wahaa, ich gelobe Besserung, ich werde dieses Buch lesen, ich werde dieses Buch lesen …

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 17. Dezember 2008 @ 23:00

  8. Latein für Angeber :)
    Verstehe zwar wenig, aber zum Angeben sind die Sprüche geil :)

    Kommentar: xtremeNo Gravatar (2) – 23. Dezember 2008 @ 17:54

Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.

Monsterdoc Medien

  • Monsterdoc-das Buch Monsterdoc-Musik Videos

Anzeigen

 

Design von Perun modifiziert vom Chefarzt | expertenteam | impressum