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Hajo der Stationsarzt – Das erste Mal Wahnsinn

Unser Hajo ist nun seit einigen Wochen in einer chirurgischen, auf Knochen ausgerichteten, Abteilung, einer von vielen Assistenzärzten. Er will sein Bestes geben, doch wie sagt schon das alte schottische Sprichwort: Versagen ist des Könnens Anfang, oder war es: Der Könner versagt im Anfang, oder der Anfänger versagt im Können, oder der Versager fängt am Anfang an? …

Nach dicker 3-wöchiger Einarbeitungszeit steht nun plötzlich Hajos Name erstmalig auf dem Dienstplan. Der Countdown gilt also. 4-3-2-1 Tage, heute ist Nachtdienst. Nichts gelernt in dieser Zeit, war immer auf sich alleine gestellt, aber Schwamm drüber, heute ist die Nacht der Nächte, jetzt ist Hajo der Chef und entscheidet über Leben und naja … das andere vielleicht. Ein Glück sind die Schwestern und Pfleger da, die wissen ja Bescheid. Der Tag nähert sich dem Ende, nach und nach verlässt das Personal das Krankenhaus. Es wird stiller, Hajo ist noch da, er hat einen weissen Arztkittel an. Wirklich kompetent und gut sieht er aus, doch innerlich ist es zappenduster, leer. Er könnte einem etwas über die Einteilung des Ehlers-Danlos-Syndrom (Bindegewebserkrankung) erklären oder über andere interessante medizinische Dinge, doch ein lapidarer Unterarmbruch – nee, dazu ist er nicht ausgebildet worden. Schlagartig denkt er sich, was er eigentlich die letzten Jahre gelernt hatte. Zumindest nichts, was ihm jetzt von Nutzen sein könnte. Aaahhhh. Los gehts, Schlag auf Schlag …
Notarzt meldet sich an: Mehrfachverletzter nach Autounfall in kritischem Kreislaufzustand, Schock. Dann taucht plötzlich ein junger Mann unvermittelt in der Ambulanz auf, er hatte sich mit der Säge den Arm verletzt, Blut …. Schreie. Zuvor bekommt er noch ein Anruf, das Katastrophenalarm am naheliegenden Flughafen ausgelöst wurde, ein Flugzeug war abgestürzt mit 30 Schwerverletzten, 6 Notärzte sind simultan im Anrollen. Aber … er muss doch erst noch den Unterarmbruch des Mädchens einrenken und die Blutkonserven anhängen und den Pneumothorax mit einer Drainage versehen …
Hajo, ganz ruhig, alles nur geträumt. Du hast dich die ganze Nacht in Deinem Dienstbett hin und hergewälzt. Jetzt ist es bereits halb sieben Uhr morgens, die Kollegen trudeln schon langsam ein. Nichts, aber auch rein gar nichts ist heute nacht passiert. Locker durchatmen, die Haare aus dem Gesicht kämmen. “Guten Morgen, war sicher viel los heute nacht, was?” musste er sich anhören. Doch andererseits war es doch auch als Kompliment aufzufassen. Er war übrigens zum ersten Mal beachtet worden. Toll. Eine gepflegte Blässe gehört schliesslich zum guten Ton hier als Chirurg …

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Dieser Beitrag (von insgesamt 847) wurde am Sonntag, 21. Dezember 2008 um 21:50 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Hajo der Stationsarzt abgelegt. Du kannst alle Artikel bei Monsterdoc durch den RSS-Feed verfolgen. Alle Kommentare gibts beim Kommentar-RSS-Feed.

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3 Kommentare

  1. SO einen Dienst wünsche ich mir…

    Kommentar: Doc BrownNo Gravatar (46) – 21. Dezember 2008 @ 23:17

  2. Ich glaube ich werde Arzt!!

    Physioblogger

    Kommentar: PhysiobloggerNo Gravatar (26) – 22. Dezember 2008 @ 14:29

  3. Klasse, immer mehr davon.
    Und genau SO war mein erster Dienst, und was hatte ich eine Angst vorher unglaublich.
    Die Angst hatte ich allerdings auch im 2., 3., 4. Dienst und dann kamen tatsächlich Patienten. Schon peinlich, wenn man die morgens anrufen muss, um zu gestehen, daß da doch eine Fraktur war (die man trotz 10minütiger Analyse des Röntgenbildes nicht gesehen hat)…

    Doc Blog

    Kommentar: Doc BlogNo Gravatar (7) – 23. Dezember 2008 @ 22:08

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