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Hajo der Stationsarzt – Die erste Mutprobe

Jeden Morgen aufstehen, jeden Tag malochen von morgens bis abends. Ja, das ist der Inhalt des medizinisch-menschlichen Daseins von unserem Hajo. Etwas müde wirkt er, aber sehr entschlossen und begeistert. Doch an diesem Tage sollte es ganz dicke kommen. Seine erste alleinige Operation steht an …

“Get in the ring” geht Hajo im Kopf herum als er heute morgen den Operationssaal betritt. Es ist natürlich mal wieder ein Wintermorgen, wie er im Bilderbuch nicht besser zu beschreiben wäre:

  • Glitzerndes Eis auf kaltem Metall (Hajos schäbiges Auto)
  • Regenbogenfarbener Schimmer auf feinen Grautönen (Gestockte Olivenölflecken von selbstgemachter Pizza auf Hajos altbackener Hose)
  • Pastelltöne im Wechselspiel mit Winterfarben (Hajos Gedanken, die unglaublich abstrakt sind)

doch lassen wir das … Jetzt geht es ums Eingemachte. Hajo ist ja nun schon seit einiger Zeit in der Knochenfabrik am Werkeln, am Assistieren. Heute nun darf er selbst ans Skalpell ran. Warum ausgerechnet heute? Gestern war doch so eine gute Fete von der netten Lernschwester (wir erinnern uns: sie ist der Länge nach im Stationszimmer hingeschlagen …) im Schwesternwohnheim gewesen. Ordentlich getrunken, früh morgens heimgekommen, dicken Schädel! Und gerade heute soll er das erste Mal einen Unterschenkelbruch reparieren. Nun gut, so soll es also sein. Ein guter Chirurg lässt sich da nichts anmerken. Gut so, Hajo, auch wenn er am liebsten ins OP-Feld brechen würde. Unterdrück für ein Stündchen nun deinen Würgereiz und konzentrier Dich auf die Haxe. Dummerweise ist im OP das Tragen eines Mundschutzes Pflicht, so muss man die ausgeatmete Luft immer wieder rückatmen. “Boah riecht echt fuselig” Hat da jemand was gesagt? Nee, kann ja gar nicht. Hajo wirds noch schlechter. Doch er bekommt bereits die Bohrmaschine in die Hand gedrückt. Keine Ahnung, was er damit anfangen soll. Er erinnert sich an das Bild, das er gestern in seiner Wohnung aufgehängt hatte. Hajo sucht den Schlagbohrgang, es gibt keinen. Konzentrier Dich alter Junge, auch wenn die Hand zittert.

SSSsssssss …. die Maschine geht ab, und Hajo ist so perplex, dass er das Gleichgewicht verliert und das teure medizinische Gerät auf den Boden fallen lässt. Eine lauten Schlag tut es und kaputto. Alle vermummten Gestalten schauen plötzlich auf Hajo. Der Oberarzt ist nervös. Betretenes Schweigen. Auf der Anästhesistenseite hört man aber leises abgedämpftes Gelächter. Ich muss Anästhesist werden, ganz klar, wann kann ich wechseln? Ein Brechreiz jagt nun den anderen.

Kein Problem, ein neuer Bohrer wird in Minutenschnelle herbeigebracht. Jetzt sitzt jeder Handgriff und unser sympathischer Operateur kann seinen Vorgesetzten doch noch mit sauberer Arbeit überzeugen. Hajo, Hajo, kannst ja doch ein bisschen was, ist ja gerade noch mal gutgegangen. Die Transpiration ist allerdings enorm. Schliesslich setzt er noch die letzten Hautnähte, dann ist Finale. Ab in den Aufenthaltsraum und erst mal einen Kaffee ziehen. Im OP Bereich gibts leider keinen Bierautomaten, Spass beiseite, danach ist ihm die nächsten paar Wochen sowieso nicht mehr zumute …

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Dieser Beitrag (von insgesamt 847) wurde am Dienstag, 30. Dezember 2008 um 18:05 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Hajo der Stationsarzt abgelegt. Du kannst alle Artikel bei Monsterdoc durch den RSS-Feed verfolgen. Alle Kommentare gibts beim Kommentar-RSS-Feed.

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6 Kommentare

  1. Herrlich! Ich hab mal wieder ausgiebig schmunzeln müssen.
    Bezieht sich diese Geschichte eigentlich auf eine Person, oder ist sie erdacht?

    Sehr schön zu lesen :)

    Guten Rutsch!

    Kommentar: wemafloNo Gravatar (6) – 30. Dezember 2008 @ 19:31

  2. Es ist eine Soap … Nicht vergessen: Quiz noch bis Ende 2008 lösen und gewinnen …

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 30. Dezember 2008 @ 19:34

  3. Hm warum gibts eigentlich kein Bier im OP? Mal ganz im Ernst: Diese ungemein praktischen Bierhelme mit Schlauchsystem sind nicht nur praktisch, sie verhindern auch, dass irgendetwas unsteril wird, was vorher vielleicht sogar steril war. Bei einer OP-Dauer von weniger als drei Stunden sollte das auch vom ethischen Standpunkt aus vertretbar sein.
    Ganz klar: Für mehr Bier im Operationssaal – denn nicht nur der Gasmann soll seinen Spaß haben dürfen!

    Kommentar: EarlMobileNo Gravatar (109) – 30. Dezember 2008 @ 22:19

  4. Ich hatte mall nen Bericht über ne Bierwampe – das war so ein Gummibauch, den man mit Bier füllen konnte, um es ins Stadion (oder OP) zu schmuggeln. Gibts auch als Bierbusen – passt nur nicht soo viel rein.

    Wenn Hajo also bald n Bierbauch hat… hehe…

    Viel Spaß heute Abend. Ich hoffe du hast keinen Dienst!?

    Grüße, Dennis

    Kommentar: Dennis DNo Gravatar (24) – 31. Dezember 2008 @ 14:43

  5. Selbstverständlich beginne ich das neue Jahr dienstlich … aha also Bier im OP ist das Thema, grübel, grübel … Guten Rutsch allerseits

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 31. Dezember 2008 @ 14:48

  6. Oder Prosecco für die Operateurin. Soll jeder halten, wie er möchte.

    Kommentar: EarlMobileNo Gravatar (109) – 31. Dezember 2008 @ 16:28

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