Auch Ärzte ohne Nerven genannt. Es gehört schon eine gehörige Portion Mut und Charakterfestigkeit dazu, Nervenarzt zu werden. Nicht umsonst werden sie auch Könige der Nervenbahnen genannt. Unter Kollegen teils zu Unrecht verkannt und abgewertet: “Ein Internist weiss alles aber kann nichts, ein Chirurg kann alles aber weiss nichts, ein Psychiater kann nichts und weiss nichts, ein Pathologe hingegen kann alles und weiss alles, aber es bringt nichts mehr!” Wie sind also die Eigenschaften eines Psychotheaterarztes und wie können Sie ihm als Patient helfen?
Eigenschaften
Endlose Geduld, weiche Schale, harter Kern, Schwerhörigkeit wirkt sich günstig auf die eigene Psyche aus (man muss sich nicht so viel hartgesottene Kost anhören), phlegmatisch.
Wie können Sie ihm helfen?
Mal vorausgesetzt Sie sind etwas psychisch angeschlagen oder auch schwerer erkrankt (z.B. Schizophrenie) und begeben sich in die Hände eines Kopfarztes. Was müssen Sie beachten? Nun, erstes Gebot ist natürlich Diskretion, sprich die patientliche Schweigepflicht (“Erzählen Sie keinem, was Ihr Arzt Ihnen im Vertrauen gesagt hat!”). Betreten Sie das Wartezimmer und erspähen womöglich ihren Chef in der rechten Sitzgruppe? Hierbei haben Sie zwei Möglichkeiten: a) sofortiges Abdrehen und Verschieben Ihres Termines unter dem Vorwand einer somatischen Erkrankung (Körperliche Erkrankung). Vorteil: In dieser Praxis kennt sich keiner mit dieser Art von Erkrankungen aus, also kann Ihnen hier definitiv nicht geholfen werden (z.B. bei plötzlich auftretenden Bauchschmerzen). Sie können also rasch die Praxis diskret verlassen. Doch Vorsicht: Übertreiben Sie es nicht mit Ihren Beschwerden, sonst rufen die Arzthelferinnen womöglich aus Verzweiflung gleich einen Notarzt. Hier bleibt Ihnen nur die Flucht nach vorne. Anschliessend vereinbaren Sie einen Termin bei einem anderen Nervenarzt in der Nachbarstadt. Möglichkeit b) wäre, dass Sie sich sofort neben Ihren Chef setzen und ihm ein kleines Gespräch unter Freunden aufdrücken, wie: “Na, heute auch schon nen Aussetzer gehabt?”. Kalkulieren Sie hierbei eventuell den baldigen Gang aufs Arbeitsamt zur Stellensuche ein.
Schaffen Sie es also nach mehrstündigem Aufenthalt im Wartezimmer den langersehnten Gang ins Sprechzimmer, so sehen Sie sich vor, was Sie sagen. Erzählen Sie dem Nervenarzt Ihres Vertrauens, was sie unruhig macht, also z.B. Ihr Gehalt, die gescheiterte Ehe mit Ihrem 30 Jahre jüngeren Partner, der neugewählte Präsident der internationalen Handelskammer für vegetarisches Fischfutter. Reden Sie sich also alles von der Seele. Vermeiden Sie längere Pausen in Ihrer Darstellung der Dinge, denn der Nervenarzt könnte hier aus seinem Terminalschlaf erwachen. Ebenso sollten Sie ihm nicht von den kleinen grünen Männchen, die Sie gestern in Ihrem Büro bedroht hatten, erzählen. Auch nicht über Ihre Gedanken, die sich gestern bis nach Indonesien ausgebreitet und Menschen erheitert haben. Schliesslich haben Sie heute früh ja tausende von hämischen E-Mails aus aller Welt erhalten, nur um Sie allein fertigzumachen, jawohl Sie sind schliesslich einer der wichtigsten Persönlichkeiten der Welt. Beschattet und verfolgt werden Sie, selbst auf Ihrem WC wurde eine Überwachungskamera vom britischen Geheimdienst installiert, um ….. Aber lassen wir das, solche Geschichten muss sich der gemeine Psychofuzzi schliesslich jeden Tag anhören, also belästigen Sie ihn nicht mit solchen Lapalien. Dies könnte unter Umständen einen mehrmonatigen Aufenthalt in einer geschlossenen Abteilung der Psychiatrie mit sich bringen oder den Komsum harter Psychodrogen.
Tipp: Arrangieren Sie sich mit den grünen Männchen und geniessen Sie das Privileg beim Geheimdienst zu arbeiten.
Komplikation: Die Männchen gewinnen auch Kontrolle über Ihre Freunde, spätestens dann sollten Sie Ihr Schweigen brechen und sich in eine Anstalt begeben.
Sie sehen also, der Psychiater ist Teil eines abgekarteten Spieles. Meistens steckt er mit dem Geheimdienst der Gegenseite unter einer Decke. Also auch nur ein Rädchen im System. Unterstützen Sie ihn also, um ihn glauben zu machen, Sie wären zu seiner Seite übergelaufen.
Übrigens: Nach einigen Wochen der Psychohygiene-Therapie relativiert sich oftmals alles wieder und Ihr Psychiater stellt sich als ganz normaler Arzt mit seinen Stärken und Schwächen dar.
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