Wir hatten hier ja schon mehrfach über den korrekten Einsatz von Antibiotika diskutiert. Thema: Multiresistenzen bei verschiedenen Keimen, z.B. MRSA und anderen düsteren Keim-Kollegen, Nachweis in der Umwelt, Gewässerbelastung. Alles wohl auf unbedachten Einsatz von Antibiotika durch Ärzte, Tierärzte oder Beisser-Ärzte zurückzuführen. Besonders problematisch hierbei sind wohl die Kliniken, die Viehzucht und die Krawatten von Chefärzten. Doch ich möchte heute eine genau gegenteilige Diskussion anstossen.
Heute, Sonntag, im Rahmen des kassenärztlichen Notdienstes hatte ich Sprechstunde. Okay, die Grippewelle hat Deutschland auch weiterhin noch fest im Griff, obwohl sich die Schmodderviren laut der Arbeitsgemeinschaft Influenza wieder etwas zurückgezogen haben. Alle fiebern um die Wette. Auf jeden Fall behandelte ich einen Mitbürger aus Fernost, der mir berichtete, dass in seinem Land Antibiotika frei verkäuflich sind und jeder sich damit eindecken könne. Bekanntlich kann man ja gegen vielerlei Erkrankungen Antibiotika einsetzen, was auch weltweit getan wird. Wer sich die Mühe macht und einmal recherchiert, wo es überall Antibiotika am “Kiosk” gibt, wird sich wundern. Auch in Europa! Daher halte ich ab heute eine Diskussion darüber, dass die bösen und unverständigen Hausärzte mal wieder bei nem Schupfen ein Antibiotikum eingesetzt haben, für etwas, na ja, irrelevant.
Ganz klar, Ärzte sollten sich an die Richtlinien halten und nur bakterielle Infekte mit einem Antibiotikum behandeln. Doch scheint mir eine Beleuchtung in andere Richtungen weitaus wichtiger. Das gilt natürlich auch für viele anderen frei verkäuflichen Medikamente, z.B. Diazepam und ähnliches.
Jetzt spüre ich gerade etwas Halsweh, ist aber sicher nur Einbildung. Muss mal eben auf Hausbesuch, “Grippe”, was sonst?
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Tja, Charles Darwin wird am 12. Feb. 200 Jahre alt. Und da fällt mir ein, Antibiotika sind u.a. von Pilzen dazu “erfunden” worden, um die Konkurrenz um das Substrat gegen die Bakterien für sich zu entscheiden. In der Natur.
Dass die Bakterien, zumal beim Masseneinsatz der Antibiotika durch den Menschen, auch “gegenevoluieren”, können wir ihnen ja wirklich nicht verdenken.
Kommentar: merapi
(102) – 08. Februar 2009 @ 20:16
Die WHO sollte endlich dafür sorgen, dass Antibiotika weltweit rezeptpflichtig werden. Was allerdings in der Tiermedizin und in der Nahrungsmittelindustrie machbar ist, da sehe ich schwarz. Massen-Antibiotikagabe im Schweinestall, Verlängerung der Haltbarkeit von Joghurts uä., da wird man sich wohl die Zähne ausbeißen. Dieser Markt lebt von der Korruption und entzieht sich meiner Kenntnis nach der gesetzlichen Überwachung.
Wie in vielen anderen Bereichen auch, schafft sich der Mensch also auf vielfache Weise seine Probleme selbst. Vergessen seien hierbei auch nicht, die millionenfach rezeptierten lokalen Antibiotika in Salben und Tinkturen. Ich bin zwar kein Wissenschaftler, aber warum sollen gerade örtlich angewandte Antibiotika weniger Resistenzen erzeugen?
Kommentar: Der andere Hausarzt
(6) – 09. Februar 2009 @ 07:35
Ja, die Gegenrevolution der Bakterien ist in vollem Gange. Was die Rezeptpflichtigkeit betrifft, wird die WHO wahrscheinlich machtlos sein.
Gestern nacht habe ich mir allerdings bei einem Hausbesuch wegen “Harnwegsinfekt” heimlich gewünscht, dass es am Bahnhof einen Kiosk mit Antibiotika gibt …
Kommentar: chefarzt
– 09. Februar 2009 @ 13:19