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Der gemeine Rettungsdienstler

Auf besonderen Wunsch von masked, der ja bekanntlich beim Medizin Quiz 2008 den ersten Platz belegte, habe ich nun einen Artikel über den gemeinen Blaulicht-Kompetenzler auf der Strasse verfasst. Hoffentlich kann ich damit einen wertvollen Beitrag zur Aufklärung über die Eigenschaften und (Un)arten dieses interessanten Lebewesens leisten.

Gattung: Rettungsassistenten, Rettungssanitäter und Rettungshelfer sind Arten der Gattung der Rettungsdienstler. Man kann auch den gemeinen Notarzt zu dieser Gattung rechnen. Der letztgenannte fügt sich in das Team ein, hat aber schlussendlich nur die Kompetenz das Notarztprotokoll selbstständig zu unterschreiben. Die medizinischen Massnahmen vor Ort werden entweder zusammen geleistet oder der Notdürftige Arzt macht das, was ihm gesagt wird. Ausnahmen bestätigen übrigens die Regel …

Lebensraum: Auf den Strassen fühlt er sich zu Hause, kurzzeitig auch in Wohnungen, Häusern oder Kliniken. Doch bald drängt es ihn wieder hinaus ins Freie, in sein Fahrzeug. Die grösste Zeit allerdings verbringt er auf der Rettungswache. Hierbei stehen ihm ähnliche Massnahmen wie dem gemeinen Anästhesisten zur Verfügung, um die Zeit sinnvoll totzuschlagen.

Charaktereigenschaften: Selbstbewusst, zielgerichtet, bescheiden. Geht aber das Blaulicht los mutiert er zum Rettungsanaphylaktischen (RA), ein interessantes Funkeln kann man dann in seinem Augenhintergrund wahrnehmen, in seiner Stimme liegt ein Hauch von Sirenen. Zusammen mit anderen Disziplinen der Strassenarbeiter (Polente, Feuerzeugler) ist er aber sehr anfällig für eine tückische schwindsuchtartige Seuche, der sogenannten Emergencis coli – Erkrankung (Morbus Blaulicht). Im Laufe der Jahrzehnte heilt diese Erkrankung beim Rettungsdienstler allerdings fast vollständig aus. Ausnahme: bei Ehrenamtlichen. Diese Untergattung zeigt auch noch in hohem Dienstalter Anzeichen dieser Krankheit. Auch beim gemeinen Kreislaufkollaps der Grossmutter wird hier noch grösstmöglichste Kompetenz gezeigt – und dieses Funkeln …

Aber ist das letztlich nicht wunderbar? In welchem Beruf erlebt man dieses Verhalten? Möglicherweise liegt es an der Tatsache, dass völlig legal viele unanständige Dinge getan werden dürfen:

  • Bei Rot über die Blitzampel fahren und dabei dumm gucken …
  • Mit Blaulicht und Martinshorn bei den Mädels durch Kompetenz punkten …
  • Den ganzen Tag seine wohlriechenden Einsatzstiefel nicht ausziehen …
  • Hausärzten mal richtig die Meinung geigen (oder auch nur in Gedanken oder Blogs) …
  • Mitten in der Nacht volltrunkene und erbrechende Mädchen ins Krankenhaus fahren …
  • Autos einfach mutwillig einparken, obwohl genügend andere Parkmöglichkeiten vorhanden gewesen wären. Und anschliessend auch noch den Eingeparkten links ablaufen lassen …

Sollte ich eine Eigenschaft vergessen, über- oder untertrieben, falsch dargestellt oder dienstlich nicht erkannt zu haben, bitte ich um Kommentarrückmeldung …

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Dieser Beitrag (von insgesamt 847) wurde am Freitag, 02. Januar 2009 um 22:43 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Medizintypen abgelegt. Du kannst alle Artikel bei Monsterdoc durch den RSS-Feed verfolgen. Alle Kommentare gibts beim Kommentar-RSS-Feed.

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8 Kommentare

  1. Schöner Artikel. Trifft ziemlich auf die RDler zu, die ich kenne.

    Wenn ich mir was wünschen dürfte wäre das ein Artikel über Anästhesiepfleger ;)

    Kommentar: AlbertNo Gravatar (17) – 03. Januar 2009 @ 10:16

  2. Herrlich geschrieben, besonders das Phänomen Morbus Blaulicht! Bei manchen Kollegen wird da spontan die Verbindung zum Gehirn getrennt, wenn sie etwas von “Notfall” oder ähnlichem hören und sie brettern blindlings und halsbrecherisch zum Einsatzort. In Einzelfällen aber auch noch in älteren Semestern zu beobachten.

    Aber was ist daran unanständig, volltrunkene Mädchen ins Krankenhaus zu fahren??? Ich wünschte, es wären auch mal Mädels in “legalem” Alter, und nicht nur ständig irgendwelche pubertierenden Gören, coole Gangsta-Rapper-Jungs oder ältere Touristen ;-)

    Kommentar: ChrisNo Gravatar (97) – 03. Januar 2009 @ 14:06

  3. “Emergencis coli” also…? Oder gleich zu deutsch: “Alarm im Darm – gleich kommt’s geschossen”? :D

    Kommentar: EarlMobileNo Gravatar (109) – 03. Januar 2009 @ 18:18

  4. Gratulation!!!

    Wo kann ich das Preisgeld abgeben??

    Gruß:

    Physioblogger

    Kommentar: PhysiobloggerNo Gravatar (26) – 03. Januar 2009 @ 18:58

  5. Sehr schön getroffen!

    Kommentar: OliverNo Gravatar (1) – 05. Januar 2009 @ 14:05

  6. Sehr schön, sehr schön, gefällt mir gut. Druck ich gleich mal aus und nehms am Donnerstag mit zum Dienstabend ;-)
    Danke, klasse Aktion!
    Martin

    Kommentar: MaskedNo Gravatar (5) – 10. Januar 2009 @ 20:33

  7. schau mal, hier das Kladogramm der medizinischen Berufe (stark vereinfacht):

    http://www.notfallseelsorge.de/Bilder/evolution.jpg

    Kommentar: merapiNo Gravatar (102) – 23. Januar 2009 @ 23:28

  8. Das Ende der Evolution ist wahrscheinlich noch nicht erreicht. Klasse.

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 23. Januar 2009 @ 23:44

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