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Kleine Medikamentenkunde (Teil 2)

Hier der zweite Teil der kleinen Medikamentenlehre für Interessierte. Bald können Sie mit Ihrem angeeigneten Wissen vielleicht sogar einmal Ihren Hausarzt beim nächsten Praxisbesuch etwas ins Schwitzen bringen. Also gehts munter weiter mit Medikamenten von F-P.

  • Furosemid: Häufig gegen unbeliebte Stationsärzte in Kaffee oder Tee eingesetztes Medikament. Folge: Rasches heftiges Entwässern desselben (Wasserlassen). Ansonsten auch zur Entwässerung bei Herzschwäche, Lungenödem (Wasser auf der Lunge) oder Beinödemen. Häufige Nebenwirkung:  Elektrolytverlust (v.a. Kalium). Im Extremfall kann man da Pumpenrhythmusstörungen bekommen. Tipp: dem Stationsarzt lieber die Meinung geigen, als so ein hinterhältiges Attentat durchzuführen.
  • Gingko: Das ist für Menschen geeignet, die keine Kreuzworträtsel mehr lösen können. Es fördert die Durchblutung und wirkt auf pflanzliche Art und Weise der Demenz entgegen. Bei letzterer unangenehmer Erkrankung ist es sogar vom Arzt verschreibungsfähig.
  • Ibuprofen: Gängiges Medikament für Schmerzen aller Art, bevorzugt für Gelenke, Calciumbolzen und Muskeln. Die 400mg Tabletten-Packung ist in der Pillenbude frei verkäuflich, ab 600mg darf der Arzt sein Stempelchen aufs Rezept setzen. Gehört in die gleiche Gruppe wie Diclofenac (Medikamentenkunde Teil 1), daher kann auch hier der Magen-Darm-Trakt vorwiegend bei längerer Anwendung in Mitleidenschaft gezogen werden. Gibts auch als Salbe, Saft oder Suppositorien (Zapfen).
  • Insulin: Braucht der an Diabetes mellitus Erkrankte zum Spritzen. Gibts in unterschiedlichen Mixturen. Die modernen (teureren) Präparate wurden jüngst von den Krankenkassen geächtet.
  • Johanniskraut: In der winterlichen, dunkleren, depressionsgeladenen Jahreszeit häufig erforderlich. Es nähert sich jedoch unaufhaltsam der Frühling. Heute habe ich bereits einen Vogel gehört.
  • Lactulose: Häufig, oftmals kanisterweise, verordnetes Abführmittel. Gegen Obstipation (Pfropfen im Darm) gibts allerdings bessere Hausmittel: Bewegung, viel Trinken, vernünftige Ernährung … Okay, okay ist Ihnen viel zu gesund. Ich höre ja schon auf damit … Wenn aber alles nichts hilft, und womöglich noch Erkrankungen im Darm auftauchen (Divertikulose (Ausstülpungen der Darmwand)), kann dies doch eine geeignete Massnahme sein.
  • Loperamid: Bei Durchfallerkrankungen zur symptomatischen Behandlung angezeigt. Lähmt den Darm, da es in die Gruppe der Opiate gehört. Bei übermässigen Verzehr wiederum Verstopfung, so dass Sie Lactulose nehmen müssen. Daraufhin wieder durchschlagende Pfropfen mit Durchfall, anschliessend …
  • Metoclopramid (MCP): Muss ich immer nach der Anfahrt zum Notarzteinsatz einnehmen. Es ist also ein Antibrechmittel. Extrem häufig verabreichtes Medikament in allen Formen. Nimmt also Ihre Freundin MCP-Tropfen vor dem gemeinsamen Date ein, sollte Ihnen das zu denken geben. Kann aber auch am Film im Kino liegen … Im schlimmsten Fall können nach der Einnahme neurologische (nervige) Nebenwirkungen auftreten.
  • Metamizol: Meistens als Tropfen oder Infusionen eingesetzt gegen Schmerzen aller Art.  Gut bei Koliken, Halswarzen-Migräne. Verschreibungspflichtig.
  • Metformin: Tabletten gegen Zuckerkrankheit. Derzeit die Nr.1 für übergewichtige Diabetiker (Typ 2: Alterszucker). Und das sind ja bekanntlich fast alle.
  • Metoprolol: Sogenannter Beta-Blocker, einzusetzen bei Pumpenkranzgefässverstopfungen (Herzinfarkt), Bluthochdruck (wenn einem der Schiri im Kopf umherpfeift), zur Vorbeugung bei Migräne. Senkt auch den Puls.
  • Placebo: Hervorragendes Medikament gegen Beschwerden aller Art. Bedenken sollten Sie allerdings, das dieses, nun ja, Medikament, keinerlei Wirkstoffe enthält. Verschreibt Ihnen Ihr Hauarzt also dieses, sind Sie wahrscheinlich ein Hypochonder.

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Dieser Beitrag (von insgesamt 473) wurde am Sonntag, 18. Januar 2009 um 22:06 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Medikamente abgelegt. Du kannst alle Artikel bei Monsterdoc durch den RSS-Feed verfolgen. Alle Kommentare gibts beim Kommentar-RSS-Feed.

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16 Kommentare

  1. [...] aus dem Leben eines Station- und Notarztes berichtet auf sehr humorvolle Art der Monsterdoc. Er wird betrieben von “Chefarzt”, einem Arzt für Allgemein- und Notfallmedizin, der über Krankheiten, Arzt-Patienten-Beziehungen, medizinische Zusammenhänge, aktuelle gesundheitspolitische Themen und vielerlei Quatsch berichtet (sorry das ich aus dem Impressum geklaut habe). Und was lernen kann man da übrigens auch: Kleine Medikamentenkunde [...]

    Pingback: Neuer Blog - Der Rettungsdackel - – 19. Januar 2009 @ 05:30

  2. Was bitte ist eine Halswarzen-Migräne?

    Ich würde noch Midazolam in die Liste mit aufnehmen, von den Patienten auch liebevoll LMAA-Tablette genannt.
    Und als nicht-NSAR-Schmerzmittel noch Paracetamol.

    mfG,
    A.

    Kommentar: AlbertNo Gravatar (14) – 19. Januar 2009 @ 06:23

  3. Methyphenidat ;)

    @Albert: LMAA-Zeugs wirkt bei mir paradox – macht aufgedreht und high

    Kommentar: MerapiNo Gravatar (102) – 19. Januar 2009 @ 08:08

  4. “Placebo – Verschreibt Ihnen Ihr Hauarzt also dieses, sind Sie wahrscheinlich ein Hypochonder.”

    ;-) Was steht dann eigentlich auf dem Verschreibungszettel?

    Kommentar: FranziNo Gravatar (1) – 19. Januar 2009 @ 11:57

  5. @albert
    also eine “Halswarze” ist bei uns immer der “Kopf”. Gibt hier nur bedingt Sinn, aber wer weiß, nach dem MRSA-Song … ;-)

    Kommentar: MaiaNo Gravatar (71) – 19. Januar 2009 @ 15:00

  6. @franzi: “P-Tabletten”. Meist sind da aber nur verschiedene Kohlenhydrate, Spurenelemente und Farbstoffe drin.
    Der absolute Knaller ist aber der Beipackzettel: Zu jeder Frage, wie etwa nach Nebenwirkungen, Indikationen, Anwendung in der Schwangerschaft etc. pp., steht immer nur “Fragen Sie Arzt nach weiteren Informationen.” :D

    Kommentar: EarlMobileNo Gravatar (109) – 19. Januar 2009 @ 16:26

  7. @ earlmobile:
    echt, sowas gibt es wirklich? Mich würde so ein Waschzettel mal interessieren :)

    Und diejenigen, die das bekommen, werden nicht stutzig?

    Kommentar: merapiNo Gravatar (102) – 19. Januar 2009 @ 17:07

  8. @albert: Stimmt, Midazolam fehlt noch, tolles Medikament mit Amnesie-Effekt.
    Alter Merkspruch:
    Ist die Coloskopie (Darmspiegelung) auch noch so hart,
    bist du danach mit Midazolam wieder apart am Start.
    Paracetamol-Fans werden ich auf den nächsten Teil vertrösten.

    @merapi: Methyphenidat bei ADS also. Jaja die Paradox-Reagierer: Da habe ich schon klapprigste Grossmütter abheben sehen …

    @maia: Halswarze = Omme

    @franzi: Als Allgemeinarzt verschreibt Dir natürlich keiner Placebo, ich kenns nur aus dem Krankenhaus für Notfälle (ohne Packungsbeilage), aber vielleicht kann

    @earlmobile nen Waschzettel ausfindig machen?

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 19. Januar 2009 @ 19:52

  9. Uiuiui ihr verlangt aber was. Ich kenn die noch aus meiner Zivizeit, da hab ich mir mal den Spaß gemacht und den Beipackzettel gelesen.

    Aber hier habe ich dank Tante Google einen solchen Wisch gefunden, augenscheinlich jedoch von einer Firma, die die Gestaltung ein wenig intelligenter angegangen ist und nicht an den verschreibenden Arzt verweist.

    Kommentar: EarlMobileNo Gravatar (109) – 19. Januar 2009 @ 21:00

  10. Du bist der Beste, earlmobile, solche “Nebenwirkungen” müssten alle Medikamente haben ..

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 19. Januar 2009 @ 22:20

  11. Herrlich! :D

    Kommentar: merapiNo Gravatar (102) – 19. Januar 2009 @ 22:44

  12. Mich würde mal interessieren, wie das im ambulanten Betrieb läuft (huhu, Pharmama…! ;) ), d.h., wenn man dem Patienten 50Tbl als lose Blister mitgibt, schaut der ja dann sicherlich erst mal komisch… :D

    Kommentar: EarlMobileNo Gravatar (109) – 20. Januar 2009 @ 15:15

  13. Es gibt wirklich Beipackzettel zu einem Placebo?
    Kleine Frage: steht auf dem Produkt eigentlich auch Placebo drauf?
    Ich musste das letztemal vor einigen Jahren eines bestellen – ist in der Schweiz ein echtes Problem, weil kam mehr erhältlich, aber wenn es die in D gibt, wüsste ich gern den Namen.

    P.S: Paracetamol fehlt noch auf der Liste?

    Kommentar: PharmamaNo Gravatar (72) – 20. Januar 2009 @ 17:56

  14. Naja ich kenn die Dinger halt auch nur aus dem Krankenhaus. Wenn die Schlaftabletten Sorte xy alle sind, Omma Schmidtchen aber nur mit denen ruhig ratzen kann und Schwester Renate von Station 7 ein geiziges Raubein ist, dann gibt man halt die lustigen P-Tabletten und ist Omma Schmidtchen schläft vielleicht sogar besser als je zuvor.

    Kommentar: EarlMobileNo Gravatar (109) – 20. Januar 2009 @ 21:13

  15. Furosemid im Kaffee: Mir ist ein Fall bekannt, wo eine mit Furosemid geimpfte Apfelsine zur Reanimation der Zielperson führte…

    Kommentar: Kranker PflegerNo Gravatar (142) – 25. Februar 2009 @ 09:09

  16. MTX fehlt. Eines der absatzmächtigsten Medikamente in der Krebs(pseudo)therapie schlechthin! Wirkung: keine erforschte, da die Krebspatienten eh nie so lange leben; Nebenwirkung: Tod
    Den Beipackzettel gibts vom Doc erst gar nicht mit ….

    Kommentar: SenfiNo Gravatar (4) – 08. Juni 2009 @ 10:38

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