Monsterdoc

Martin, der Tierarzt – hat Notdienst

Nun, der Ärztemangel schreitet immer weiter voran. Was bleibt da den Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen anderes übrig, als nun auch Tierärzte zum Notdienst heranzuziehen. Hier ist die (fast) wahre Geschichte von Martin und seinem ersten Dienst.

Sonntag morgen, Martin ist etwas verunsichert, er muss seinen ersten kassenärztlichen Notdienst in einer ihm zur Verfügung gestellten Hausarztpraxis ableisten. Seine Kleidung ist, na wie soll ich sagen, etwas unpassend. Outdoorjacke, Jeanshose und Gummistiefel. Die Arzthelferin schaut ihn mit grossen Augen an. Martin kann Gedanken lesen.

“Besser als ein Pathologe, oder?”

Verunsichert stiert die Helferin in ihre Flimmerkiste hinter dem Tresen. Die erste Patientin tritt ins Behandlungszimmer. Etwas irritiert begutachtet sie sein Karohemd.

“Schönes Muster, nicht? Schiessen Sie los!”

“Herr Doktor, ich habe Husten, Fieber und fühle mich sehr schlapp.”

“Äh, zu welcher Gattung gehören Sie denn? Geben Sie mir mal Ihre Pfote, äh Arm.”

“Ich bin ein Hypochonder, wenn Sie das meinen?” (Tipp der Redaktion: Test für Patientengattungen machen)

“Ach was? Der Blutdruck stimmt so, haben Sie heute morgen gefuttert, äh gegessen?”

“Nichts, mir ist immer so schlecht morgens, ich bin ja auch schwanger!”

“Oh, haben Sie bereits einmal gekalbt?”

“Was? Ich muss doch sehr bitten!”

Martin zupft aufgeregt an seinen Gummistiefeln herum, etwas Schweinemist vom Vortag fällt auf den Praxisboden.

“Entschuldigung, Sie müssen wissen, das ist heute mein erster Einsatz in dieser Veterinärpraxis.”

“Jetzt reichts aber!”

Wutentbrannt schlägt sie dem Tierarzt ihren Regenschirm auf die Omme und verlässt schnaubend das Zimmer. Draussen verlangt sie bei der Arzthelferin ihre 10 Euro Praxisgebühr wieder zurück. Martin ist entsetzt, so ein artfremdes Verhalten kennt er nicht.

“He, moment mal, jeder Tierhalter zahlt hier die Rechnung bar! Apropos, wer ist denn eigentlich Ihr Halter?”

“Das ist ja Wahnsinn hier, mir gehts schon wieder viel besser. Ich gehe, ich hätte sowieso nur eine Krankmeldung gebraucht. Was solls!”

Rumms, die Tür fällt derb ins Schloss. Das war also Martins erster Fall. Unverständige Gesichter auf beiden Seiten.

“Also das ist ein klarer Fall von Welpen-Neurose, immer dasselbe, tss, tss …”

Schalten Sie wieder ein, wenn es heisst: Martin der Tierarzt – hat Notdienst. Das geht auf keine Kuhhaut.

Artikel zum Thema passend:

Dieser Beitrag (von insgesamt 847) wurde am Montag, 27. April 2009 um 22:05 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Soap abgelegt. Du kannst alle Artikel bei Monsterdoc durch den RSS-Feed verfolgen. Alle Kommentare gibts beim Kommentar-RSS-Feed.

«  –  »

9 Kommentare

  1. Wer Viecher von der Netzpython bis zum Pferd behandelt kann, dem wird wohl das bisschen Homo sapiens auch nichts ausmachen.

    Dass ein Veterinär sich auch ein bisschen um Herrchen und Frauchen kümmert, habe ich vor ein paar Jahren in der hiesigen Uni-Tierklinik gesehen. Nicht nur ich muss elender ausgesehen haben als mein Chinchilla, weil ich mir die ganze Nacht Sorgen gemacht habe und nicht schlafen konnte, sondern vielen Besitzern ist es ähnlich gegangen, so blass und nervös sie aussahen.

    Unserem kleinen Chin musste ein Hinterbein amputiert werden. Er lebt nun schon seit 4 Jahren als Dreibein. Sicher war es aber keineswegs, ob er das überlebt.

    Kommentar: merapiNo Gravatar (102) – 28. April 2009 @ 18:06

  2. Ich denke, dass sich der Martin noch gut in die Humanmedizin einleben kann. Ist doch auch kein grosser Unterschied.
    Kann dein Chin sich denn als Dreibein noch gut fortbewegen?

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 28. April 2009 @ 21:43

  3. Ja, weil die Tiere einen langen Schwanz haben, kann er gut ausbalancieren. Und die Voliere ist normal eingerichtet (nicht behindertengerecht), er hat auch seinen Freilauf und das alles geht gut.

    Ob er mal später wegen der verstärkten Abnutzung der verbliebenen Gelenke Schwierigkeiten bekommt, muss ich abwarten.

    Kommentar: merapiNo Gravatar (102) – 28. April 2009 @ 22:12

  4. Hehehe! Das wär was für unsere Frau “ChliiTierChnübler” :-) (http://www.chliitierchnuebler.ch/blog/) – die ist Tierärztin.

    Kommentar: PharmamaNo Gravatar (92) – 28. April 2009 @ 22:35

  5. Aber wenn Martin eine veterinärmedizinische Erstuntersuchung gemacht hätte, wäre die gute Frau ohne Wortwechsel aus der Praxis gerannt.

    Was macht der Tierdoc? (meine Beobachtungen)

    ALLE Körperöffnungen werden inspiziert.

    Mit einem Judogriff das Maul – ähm – den Mund geöffnt und schnell ein Instrument ins Maul (den Mund) geklemmt, damit der Patient nicht beißt.

    Der Körper wird ganzheitlich abgetastet, während der Patient fixiert wird.

    Die Köttel werden inspiziert.

    Augen, Fell und Krallen werden begutachtet.

    Ist der Patient bissig, werden ein Lederhandschuhe angezogen.

    Für weitergehende Untersuchungen (z.B. Röntgen) werden die Patienten narkotisiert. Unwillige Patienten werden mit einem Blasrohr erlegt .

    Kommentar: merapiNo Gravatar (102) – 28. April 2009 @ 23:31

  6. @pharmama: Chnübler, klingt lustig, was bedeutet das?
    @merapi: Martin beherrschte sich noch, aber es brodelte in ihm. Deine Ausführungen bringen mich auf weitere gute Ideen, klasse.

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 28. April 2009 @ 23:40

  7. Als Veterinär sollte er ja abmelken können. Das hilft in vielen Fällen.

    Kommentar: Kranker PflegerNo Gravatar (183) – 29. April 2009 @ 09:02

  8. Chnübler = Knübler. Ok, das hilft immer noch nicht so viel. Wie übersetze ich das? Picken? Manipulieren? Das trifft es alles irgendwie nicht ganz. Es ist etwas, das m an mit den Fingern macht, wenn man z.B. etwas wo herausbekommen möchte.

    Kommentar: PharmamaNo Gravatar (92) – 29. April 2009 @ 09:18

  9. Alles klar!?

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 29. April 2009 @ 19:59

Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.

Monsterdoc Medien

  • Monsterdoc-das Buch Monsterdoc-Musik Videos

Anzeigen

 

Design von Perun modifiziert vom Chefarzt | expertenteam | impressum