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Notärzte sind zu langsam

Die gesetzlich festgelegte Hilfsfrist im Rettungsdienst beträgt 15 Minuten.  Laut einem Bericht der Schwäbischen Zeitung vom 27.03.2009 werden diese Zeiten von Notärzten nur  in 8 von 37 Kreisen in Baden-Württemberg regelmässig eingehalten. Politisch gefordert werden mehr Fahrzeuge, mehr Standorte und moderne Technik.

Interessante Forderungen, die allesamt mehr Geld kosten.  Neue Standorte würde ich komplett ausschliessen, da häufig schon die bisherigen oftmals chronisch notärztlich unterbesetzt sind. Wie sollen da also neue Orte gefüllt werden? Zudem gibt es auch hier, wie in vielen ärztlichen Disziplinen, voranschreitenden Nachwuchsmangel. Warum?

Unlängst berichtete Medizynicus über die notärzliche Weiterbildung. Die Notarztqualifikation (.pdf) ist von der Bundesärztekammer festgelegt.

Klar ist es wichtig, eine umfassende notärztliche Ausbildung zu bekommen, doch die sollte dann auch umgesetzt und nicht nur auf dem Papier bescheinigt werden. Auch im notbedürftigen Bereich sind vielerorts die Gehälter nicht mehr attraktiv genug. In Baden-Württemberg wurde hier 2008 zwar nachgebessert, siehe Ärzteblatt BW 01-2009 Seiten 10,11 (.pdf), doch entpuppte sich dies wieder einmal als Mogelpackung.

Stimmen über die erhöhte Kompetenz für Rettungsfachkräfte werden ebenfalls wieder laut …

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Dieser Beitrag (von insgesamt 473) wurde am Freitag, 27. März 2009 um 12:49 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Gesundheitspolitik abgelegt. Du kannst alle Artikel bei Monsterdoc durch den RSS-Feed verfolgen. Alle Kommentare gibts beim Kommentar-RSS-Feed.

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7 Kommentare

  1. Notärzte sind sogar zu langsam direkt auf dem Klinikparkplatz. So geschehen im letzten Februar:

    ich wollte gerade in mein Auto, geparkt 100m vor der Chirurgie, einsteigen, als dort ein älterer Mann (wie ich später erfuhr, viel zu früh aus der Klinik entlassen) zusammenbrach. Herz-Kreislaufstillstand.

    Ich begann zusammen mit dem einem Angehörigen eine lege-artis-Reanimation im Rahmen des Möglichen, während ein Passant nach dem Notarzt telefonierte. Es dauerte geschlagene 10-15 Minuten, nichts passierte. Schliesslich holte jener Passant aus der Chirurgie-Cafeteria zwei Ärzte, glücklicherweise zwei Anästhesisten.

    Diese übernahmen unsere eher laienhafte Reanimation und es dauerte noch weitere lange Minuten bis endlich der Rettungswagen mit seinem Notfall-Equipment eintraf (übrigens kamen dann gleich zwei). Ich schaute auf die Uhr: 23 Minuten waren vergangen seit wir mit unserer Laien-Rea begonnen hatten.

    Der Patient konnte erst einmal erfolgreich stabilisert werden, verstarb aber zwei Wochen später auf der Kadio-Intensiv.

    Und so was passiert in Sichtweite einer Uni-Klinik. Mitten in der Stadt!

    Als ich mich bei entsprechenden Stellen über den Vorfall beklagt hatte, erhielt ich lapidar zur Antwort “Kann gar nicht sein”

    Kommentar: MichaelNo Gravatar (3) – 27. März 2009 @ 17:27

  2. Wäre ja schön, wenn die Notärzte wirklich nur 15 Minuten brauchen dürften. Bei uns in Rheinland Pfalz hat aber lediglich der RTW eine Hilfsfrist von 15 Minuten. Notarzt / NEF darf sogar eine halbe Stunde brauchen, was immer wieder zu Diskussionen führt!!!
    15 Minuten würden sie hier im ländlichen Raum besonders nachts auch oft nicht einhalten können, da der nächstgelegene Notarztstandort des öfteren dank Ärztemangel abgemeldet ist. Und bis dann das nächste NEF kommt… Tagsüber gibts ja noch den RTH, aber nachts?

    An Stelle des Passanten wäre ich dann auch einfach zur Pforte/Info der Uniklinik gelaufen und hätte die klinikinterne Notfall/Rea-Nummer anrufen lassen. Is doch egal, wo der Notfall ist, ob drin oder draußen.

    Kommentar: ChrisNo Gravatar (52) – 27. März 2009 @ 18:37

  3. Ich hätte noch einen Tipp: Mehr Zusammenarbeit zwischen Notarzt und KV-Notdienst.

    Kommentar: medizynicusNo Gravatar (3) – 27. März 2009 @ 20:59

  4. @michael: Im Alarmierungsfall kommt der Notarzt über den üblichen Anfahrtsweg. Die Wache ist ja in der Regel an einem ganz anderen Standort als die Klinik. Also ist es eigentlich ziemlich egal, wo der Einsatz ist. Natürlich sind 23 Minuten ganz klar zu lang.
    Lebensrettend ist die Ersthelfer-Wiederbelebung, da habt ihr gut gehandelt. Wenn erst der Notarzt mit der CPR anfängt, ist es meistens schon zu spät.
    Möglicherweise wäre es schneller gewesen, wie @chris geschrieben hat, die Pforte gleich zu verständigen, aber das sind reine Spekulationen.
    @medizynicus: Oh ja, ich wechsle da immer regelmässig die Seiten …

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 27. März 2009 @ 21:50

  5. Selbst 15 Minuten können lang sein, wenn man wartet. Ewigkeiten.
    Aber es ist wie überall: es muss immer erst etwas passieren, damit sie anfangen nachzudenken, was die Streichungen rechts und links für Auswirkungen haben …

    Kommentar: PharmamaNo Gravatar (72) – 29. März 2009 @ 12:30

  6. @chefarzt: Klar, der Notarzt kommt per Rettungsdienst, immerhin muss er ja auch ein bisschen Equipment dabei haben und ein vorbei laufender Klinikarzt hat das doch eher selten.

    Trotzdem 1: 23 Minuten sind defintiv zu lange. und wir leben nicht in der Pampas. Die Rettungsleitstelle ist ca. 10 Minuten Fahrzeit vom Chirurgieparktplatz entfernt.

    Trotzdem 2: Der Chirurgieparkplatz ist ja Teil der Chirurgie, nehme ich mal an. Insofern besteht ja auch eine gewisse Verantwortung seitens der Chirurgie für dort ablaufende Notfälle – allein schon deswegen, weil kein Normalmensch verstehen wird, warum die Ärzte, die hier arbeiten, sich nicht als zuständig erklären würden (haben sie ja auch nicht, als wir sie dann in der Cafeteria aufgeschreckt haben). Das ist jedenfalls keinem Passanten klar.

    Wenn ich drei Meter vor der Chrirugie mir das Bein breche, kommt ja auch nicht der Rettungsdienst, sondern schlimmstenfalls der Klinikpförtner. In unserem Fall waren es halt 100m – wenn überhaupt. In jedem Fall so nah, dass uns diverse vorbei laufende Doctores hätten werkeln sehen müssen…

    Trotzdem 3: Es war enttäuschend, wie das verarbeitet wurde, als ich mich nachfolgend über das “Missmanagement” beklagte. Von “nicht zuständig” über “kann gar nicht sein” bis zu “das Leben ist manchmal tödlich” war Alles zu hören.

    Trotzdem 4: Die aus der Cafeteria “geklauten” Anästhesisten haben sich wenigstens für unsere Arbeit bedankt.

    Kommentar: MichaelNo Gravatar (3) – 29. März 2009 @ 15:27

  7. @michael: Deinen Bericht lasse ich jetzt einfach mal so stehen.
    Am Wochenende fahre ich öfters mal notärztlich in ein 20 km entferntes Städtchen, ganz regulär, weil dort zu wenig Personal vorhanden ist. Die geforderten 15 Minuten Anfahrtszeit können hier in der Regel nicht ganz eingehalten werden …

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 30. März 2009 @ 21:14

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