Patientengattungen
Beleuchten wir einmal die andere Seite der ärztlichen Behandlung: Den gemeinen Patienten. Auch hier gibt es wie bei Ärzten und anderen medizinisch tätigen Menschen verschiedene Gattungen. Die Reaktionen und Verhaltensweisen sind vielfältig. Anhand mehrerer zufällig ausgewählter Beispiele möchte ich dieses ein für alle mal klären.
Wie reagieren nun die unterschiedlichen Patientengattungen:
Der Knallharte:
- Lässt sich beispielsweise bei einer Appendizitis (Blinddarmentzündung) erst mal nichts anmerken, obwohl er stärkste Schmerzen erleidet. Spricht nicht über solche banalen körperlichen Missempfindungen. Kommt in der Regel erst beim Blinddarmdurchbruch zum Arzt. Aber auch hier werden die Beschwerden dann heruntergespielt: “Habe ein bisschen Bauchschmerzen, jetzt sind sie aber fast wieder weg!” Oder aber er hält so lange durch, bis ein besorgter Mitmensch einen (Not)-Arzt einschaltet.
Der Hypochonder (Weicheierismus):
- Bei ersten Missempfindungen wird unmittelbar (nur zur Sicherheit) der Arzt aufgesucht, auch wenn es Wochenende ist. “Da investiere ich die 10 Euro!” Merke: Mit einer Abgabe von 10 Euro kann man einen Hausarzt ein ganzes Quartal lang in den Wahnsinn treiben, und das jeden (!) Tag (der bekommt dafür dann übrigens 30 Euro (also pro Sprechstundentermin immerhin 33 cent, doch lassen wir das)). Hobbys: Arzt, medizinisch hypochondrisches Surfen im Internet.
- Hier gehts zum Test: Bin ich ein Hypochonder?
- Zu dieser Gattung musste ich mich zu Zeiten meines Medizinstudiums ebenfalls zählen. Allerdings gabs damals noch keine 10 Euro und kein Internet!
Der Besonnene:
- Kann sich gut einschätzen. Kennt seinen Körper und dessen Alarmsignale. Geht dann zum Arzt, wenn es medizinisch geboten ist. Ja, so was wünscht man sich.
Der Choleriker:
- Hat ein Recht auf Erkrankung – wenn schon, denn schon. Wenn dieser sich also schlecht fühlt, ist er immer ein Notfall und muss sofort drankommen. Falls nicht, erfolgen cholerisch-befeuerte Vulkanausbrüche.
Der Phlegmatische:
- Krankheit kann warten, hier gibt es Überschneidungen mit dem Knallharten. Körperliche Warnsignale, wie zum Beispiel langsam wachsende Hauttumore, werden ignoriert und durch eigene medizinische Inhalte erklärt: “Das ist doch bloss ein Pickel”. Kann auf Dauer gefährlich sein.
Der Melancholische:
- Hat ihn einmal der Noro-Virus erwischt, ist er der ärmste Mensch der Welt. Trauert übrigens noch seiner Sandkastenliebe nach.
Der Sanguiniker:
- Hat er den Noro-Virus, ereifert er sich und hält an dieser Erkrankung fest. Surft medizinisch sinnvoll und trägt dabei alle erdenklichen Information zusammen. Führt Tagebuch über Symptome, macht beispielsweise auch akkurate Aufzeichnungen über Blutdrücke der letzten 10 Jahre.
Artikel zum Thema passend:
- Keine weiteren Artikel diesbezüglich
Dieser Beitrag (von insgesamt 847) wurde am Dienstag, 06. Januar 2009 um 13:05 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie
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Kommentar: Maya Fielitz
(2) – 06. Januar 2009 @ 16:36
Und den “Besserwisser” haben Sie nicht in Ihrer Kartei?
Er kommt dank Internet mit der fertigen Diagnose und was er an usw. braucht, der Arzt muss nur noch auf dem Rezept unterschreiben. Ist der Arzt anderer Meinung, wird er zum Choleriker oder ist beleidigt.
Sowas soll es doch auch geben, oder?
Und beschämt gebe ich zu, ich bin eine vom knallharten Typ.
Kommentar: Merapi
(102) – 06. Januar 2009 @ 19:57
Sehr gut, der fehlt noch …
Kommentar: chefarzt
– 06. Januar 2009 @ 20:02
Meine Güte…
Irgendwie fühle ich mich gerade voll ertappt und durchschaut
Und auch ich muß mich “leider” als knallharter Typ outen. Trotz medizinischem Background hat mich das einmal fast das Leben gekostet, dummerweise auch noch genau wegen des genannten Beispiels, deshalb “leider”.
Aber ich gelobe Besserung
Kommentar: Maia
(71) – 06. Januar 2009 @ 21:09
@maia,
und ich bin 4 Tage lang mit Beckenbruch auf Arbeit gewesen …. und als ich plötzlich, nachdem ich komisch aufgetreten bin, garnicht mehr laufen konnte, (unser Hausmeister hat mich zu meinem Auto bugsiert) bin ich brav zum Hausarzt, habe dort 2 Stunden gewartet, und es war mir megapeinlich, als der mich dann ohne große Diskussion per Krankentransport ins Krankenhaus schickte.
Dort angekommen:
Ich: Das ist doch nur ne Prellung
Irgendsoeinarzt: Sie sind schwer verletzt!
Ich: ??????
(Das ist man doch, wenn man von der Straße gekratzt wird, oder? Aber doch nicht ich!)
Kommentar: Merapi
(102) – 06. Januar 2009 @ 22:19
Die Beckenknochen sind sehr gut durchblutet. Zudem passen in den Beckenraum gut und gerne fünf, sechs, sieben Liter Blut rein – also durchaus mehr, als wir in unseren Adern haben. Pi mal Daumen stellt eine Beckenverletzung daher eine sehr große Gefahr dar…
Kommentar: EarlMobile
(109) – 07. Januar 2009 @ 18:19
Ja, das weiß ich nun, hab ja auch ordentlich Mecker bekommen *schäm*
Und ich bin auch wieder topfit.
Kommentar: Merapi
(102) – 07. Januar 2009 @ 20:58
Outet sich denn keiner als echtes Weichei? Scheinbar lauter knallharte Damen hier, alle Achtung.
@merapi: Der Beckenbruch kam aber auch nicht von ungefähr. Ich vermute Paragliding, Inlineskaten in der Halfpipe oder Tontaubenschiessen?
@maia: Die Blinddarmentzündung ist auch heutzutage trotz toller technischer Errungenschaften weiterhin schwierig zu diagnostizieren
Kommentar: chefarzt
– 08. Januar 2009 @ 18:25
@chefarzt
darauf habe ich mich auch rausgeredet
Es war trotzdem extrem peinlich, wenn man sich dann in der Notaufnahme als Angehöriger der Zunft outen muß.
Gott sei Dank habe ich bei der OP geschlafen und damit nicht mitbekommen, wie sich der Gasmann und der Schnippelbruder über mich lustig gemacht haben
und nein, ich werde nicht zum Weichei mutieren
Kommentar: Maia
(71) – 08. Januar 2009 @ 19:31
@maia: Zunftangehörige sind sehr schwierige Patienten. Entweder reden sie einem ständig rein oder sie sagen gar nichts. Beides ist nicht einfach. Ich geh selber auch nicht so gern zum Arzt …. haha
Kommentar: chefarzt
– 08. Januar 2009 @ 19:38
@chefarzt:
Ich denke, ich bin ganz friedlich. Wenn der andere seine Arbeit gut macht, hört er von mir kein böses Wort
Er oder Sie macht ja auch nur seinen bzw. ihren Job
Kommentar: Maia
(71) – 08. Januar 2009 @ 20:13
@ Chefarzt:
falsch geraten: Im Galopp vom Pferd gefallen, und hinterher wieder aufgestiegen (Weil es nicht wehgetan hat). So ein Sattel ist ja beidseitig so anatomisch geformt, dass man das Dilemma erst bemerkt, wenn man danach absteigt. Aber ich habe das wirklich nicht als schlimm empfunden.
Aber ich sitze wieder im Sattel. Nun mit Protektoren (Sieht voll peinlich aus).
Kommentar: Merapi
(102) – 08. Januar 2009 @ 22:48
Merapi und die weiße Zunft
Mein Hausarzt ist echt komisch, machte er doch mal folgende Bemerkung: „Die Merapi kommt immer erst, wenn sie den Kopf fast unterm Arm trägt, und bricht in helle Freude aus, wenn man ihr sagt, das sei nichts Schlimmes.“
Was erwartet der denn eigentlich? Soll darüber traurig sein? Und welche Patienten hat er, dass er mir das extra so sagt?
Andere Szenerie: Meine Unfallversicherung will noch einmal einen Bericht vom Krankenhaus, nach Aktenlage. Irrtümlich bestellt man mich aber mochmal ein. Nach ca. 1 Stunde Warten kommt die Chefarzt-Sekrtärin und beichtet mir ihren Irrtum (und erwartet meinen Anschiss)
Doch Merapi guckt freudig, sagt, es wäre ja sowieso sinnlos gewesen, weil ich mich topfit fühle. Merapi geht in Richtung Ausgang, Arzt kommt weißbekittelt entgegengeweht, Merapi lacht und sagt „Tschüß, denn auf Wiedersehen ist nicht so gut“
Er guckt mir etwas bedeppert entgegen und sagt auch Tschüß. Es soll sich doch mal freuen, dass sich mal jemand nicht beschwert oder rumjammert ….
Kommentar: Merapi
(102) – 16. Januar 2009 @ 19:24
@merapi: angenehme Patientin aus ärztlicher Sicht
Kommentar: chefarzt
– 18. Januar 2009 @ 11:51