Warum ich Gesundheitsminister werden sollte
Nun, ich muss zugeben, dass ich mich in den letzten drei Wochen ausserordentlich gut erholt habe. Möglicherweise hatte ich zuviel Zeit zum Nachdenken, möglicherweise packte mich zuletzt der Höhenkoller auf 3000m. Doch in mir reifte ein Entschluss, der mein Leben nachhaltig verändern sollte: Es gibt in Deutschland leider keine Alternative, es mag grössenwahnsinnig klingen, aber hier sind die Gründe, warum ich Gesundheitsminister werden sollte.
- Ich bin Arzt, daher kenne ich mich medizinisch und medizynisch gut aus, also fordere ich …
- Abschaffung der Praxis-Zwangs-Gebühr
- Erhaltung von Arzt Praxen in Ihrer Nachbarschaft. Keine Anfahrten von 20km oder mehr
- Bessere Bezahlung von Ärzten, Pflegern, Schwestern und allen anderen Angehörigen des Gesundheitssystems
- Reform des Gesundheitsfondues, da es leider ranzig geworden ist
- Verbesserung der medizinischen Ausbildung, besonders des Medizinstudiums
- Verhinderung des Abwanderns von Ärzten nach Skandinavien (mittels Ausgabe von Golfclubkarten)
- Gleichwertige medizinische Versorgung für alle
- Stabile Krankenkassenbeiträge
- Ich könnte auch mal in Arztpraxen in der Sprechstunde einspringen, Stichwort Ärztemangel
- Volksnah mittels Arzt Blog und Twitter
Das sollten eigentlich genug Gründe sein, die Medizin-Partei in den Bundestag 2009 zu wählen, oder?
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Dieser Beitrag (von insgesamt 847) wurde am Sonntag, 13. September 2009 um 22:23 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie
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Na, wir werden ja sehen
Nicht vergessen, dein Kreuzchen zu machen!
Kommentar: Benedicta
(282) – 13. September 2009 @ 22:45
herzlich Willkommen, zurück!
Schön, wieder viel Neues, von Dir zu lesen:-)
Kommentar: krokofantilein
(67) – 14. September 2009 @ 11:16
Bei wem sollen wir denn unser Kreuzchen machen?
Kommentar: chefarzt
– 14. September 2009 @ 13:33
…Die Gründe finde ich sogar realistischer, als die von einigen Parteien
…
Wo warst n du?? *nachdenkobderchefarztnichtmalgesagthat,dassernichtindiebergegeht*
Aber: schön das du wieder da bist!
Kommentar: Thea
(193) – 14. September 2009 @ 14:30
Na dann mal los! Wo muss ich mein Kreuz machen? …
Kommentar: Schwestertrauma
(11) – 14. September 2009 @ 15:29
Egal wo, Hauptsache ihr macht überhaupt eins (bzw. zwei).
Meine Methode ist in etwa so:
- als erstes alle Parteien streichen, die ich gar nicht gut finde.
(Für mich sind das die C-Parteien, weil ich das “C” als Blasphemie empfinde, extrem rechte und extrem linke Parteien, weil Fanatismus in jeder Form von übel ist, und Parteien mit Tunnelblick)
- die übrigen Parteien schau ich mir dann näher an und überlege, welche mir am ehesten entspricht und ob ich die Leute glaubwürdig finde.
(In meinem Fall:
SPD – entspricht mir vom Parteiprogramm ganz gut, aber die Einzelpersonen büßen an Glaubwürdigkeit ein. Die Sympathieträger wie z.B. Heide Simonis und Renate Schmidt werden mehr oder weniger abgesägt. KO-Aussagen ala “nicht mit den Linken” nerven mich – das hat was von Sandkasten (“nein, mit dem Oskar spiel ich nicht, der hat mir letzte Woche die Schaufel geklaut, wäääh!”). Wenn die Wähler das anders sehen, muss man sich in der Realität eben damit auseinandersetzen.
Linke – von den Themen her ok, aber zu polemisch und teilweise auch zu wenig realistisch.
Piraten – die hab ich zwar in der Zulassung unterstützt, mir fehlen aber Sozial- und Umweltthemen.
Grüne – derzeit für mich die glaubwürdigsten Leute, und zwar auch, weil sie kompromissbereit sind und sehen, dass man Ideale in der Realität einfach nicht komplett umsetzen kann. Pragmatismus überzeugt mich.)
Letztlich geht es aber nicht darum “das richtige” Kreuz zu machen, sondern ein Kreuz zu machen, dass dem jeweiligen Wähler entspricht. Die Themen, die *mir* wichtig sind sind ja möglicherweise andere als die die *euch* wichtig sind. Die Parteien die dann gewählt werden repräsentieren im Idealfall die Meinung und Bedürfnisse der Mehrheit – und wenn das nicht meine Bedürfnisse sind, dann ist das eben Demokratie.
Ich hab meine zwei Kreuze übrigens schon gemacht
Kommentar: Benedicta
(282) – 14. September 2009 @ 18:44
@thea: Bin auch Berg- und Wanderfan, aber nicht so kletterversiert wie Du.
Ich habe meine Kreuze noch nicht gemacht. Ich möchte noch überzeugt werden … vor allem gesundheitspolitisch …
@benedicta: 1.Stimme Rot, 2. Stimme Grün?
@schwestertrauma: 1. Stimme Schwarz, 2. Stimme Gelb?
Kommentar: chefarzt
– 14. September 2009 @ 22:59
@chefarzt: Hey so kletterversiert bin ich doch auch nicht. mag auch alle anderen Sparten des Bersports (so wie Hoch – und Skitouren usw.)
Kommentar: Thea
(193) – 15. September 2009 @ 14:22
Wenn das Mastermind wäre, hättest du jetzt einen roten Stecker
(Zur Erinnerung: roter Stecker – richtige Farbe am richtigen Platz, weißer Stecker – richtige Farbe aber falscher Platz)
Kommentar: benedicta
(282) – 15. September 2009 @ 14:26
@benedicta: Ich kenne den schwarzen Stecker …
Kommentar: chefarzt
– 15. September 2009 @ 23:50
schwarz? wieso schwarz?
Kommentar: Benedicta
(282) – 16. September 2009 @ 00:01
In meinem Mastermindspiel waren die schwarzen Stecker, diejenigen für die richtige Farbe und den richtigen Platz. Möglicherweise existieren hier unterschiedliche Versionen …
Kommentar: chefarzt
– 16. September 2009 @ 00:21
Definitiv
(Ich glaub, wir hatten auch eins mit gelben Steckern. Und eins mit Pilzen… oder so.)
Kommentar: Benedicta
(282) – 16. September 2009 @ 00:32
Du hast es ja so gewollt….
in guter alter Monsterdoc-Tradition braucht natürlich auch dieser Artikel eine Gegendarstellung. Da dem Chefarzt nix einfällt, werd ich ein bisschen helfen.
Hier also die Gründe, warum der Chefarzt *nicht* Gesundheitsminister werden sollte.
* Der Chefarzt ist Arzt. Nach der guten alten Tradition “man soll den Bock nicht zum Gärtner machen” ist es nicht gut, wenn die Verantwortlichen allzuviel Ahnung vom Fachgebiet haben – ein Außenseiter hat einen viel unvoreingenommeneren Blick und bringt frischen Wind in festgefahrene Traditionen.
* Reformen sind wichtig, damit was Genießbares dabei rauskommt müssen aber alle Seiten einbezogen werden. Einfach nur vergangene Reformen zurückzunehmen wird das System nicht retten.
* Chefarzt hat offensichtlich keine Ahnung davon, wie Studienpläne erstellt werden – sonst käme er nicht auf die Idee, man könne das zentral regeln. In Wirklichkeit legen die Unis ihre Lehrpläne selbst fest, Bildung ist ja nach wie vor (leider) Ländersache. Hier müssen das Bildungsministerium und die Kultusministerkonferenz einbezogen werden, eine Akkreditierungskommission für medizinische Studiengänge sollte etabliert werden (ähnlich wie der VDI die Grundanforderungen für die Ingenieursstudiengänge festlegt). Die entsprechenden Prozesse werden locker 10 Jahre zur Umsetzung brauchen – allein deshalb, weil die jetzigen Studenten ja noch nach alter Studienordnung fertig studieren dürfen müssen. Das über die nächsten zwei oder drei Wahlen zu retten, könnte schwierig werden.
* Wenn Chefarzt Gesundheitsminister würde, hätte er wegen der Dienstwagenfahrten nach Spanien keine Zeit mehr zum Bloggen und Twittern, und das wollen wir doch alle nicht, oder?
Kommentar: Benedicta
(282) – 16. September 2009 @ 21:56
Dann viel (politischen) Erfolg!
Kommentar: Bauch-Träger
(1) – 17. September 2009 @ 09:31
@benedicta: Du hast ja in allen Punkten so recht. Ich setze also auf die vorgezogenen Bundestagswahlen 2012. Das mit der Studienreform hab ich aber nicht so ganz kapiert. Ich glaub mein eigenes Studium liegt einfach zu lange zurück.
@bauchträger: Danke. Das wird schon
Kommentar: chefarzt
– 17. September 2009 @ 18:43
*ggg* Prüfungs- und Studienordnungen sind auch echt nicht einfach.
Es läuft so:
- erstens gibt es bundesweite Rahmen-Richtlinien, z.B. der Bologna-Vertrag (der ist sogar Europa-weit), der die Rahmen-Daten für Bachelor-/Master-Studiengänge festlegt oder die Richtlinie für Ingenieursstudiengänge die die Praktikumszeiten festlegen, und auch Kommissionen die das prüfen, z.B. die ZEVA (Zentrale Evaluierungskommision) die Studiengänge akkreditiert, oder den VDI.
- zweitens gibt es landesweite Gesetze, genannt Hochschulgesetz.
- drittens gibt es Uni-weite oder Fakultäts-weite Rahmenordnungen, die bestimmte Anforderungen an Prüfungsordnungen festlegen, z.B. zentrale Prüfungszeiträume, Regelungen zur Wiederholbarkeit von Prüfungen.
- viertens gibt es die Prüfungsordnung für einen Studiengang, da steht dann drin, wieviel Praktika, Nebenfach, Noten etc. ein Student wann bringen muss
- fünftens gibt es die Studienordnung für den Studiengang, wo die Regeln für die einzelnen Lehrmodule drinstehen
- sechstens gibt es dann das Vorlesungsverzeichnis fürs Semester.
Jetzt wirds kompliziert: zwischen diesen Ordnungen gibt es Vorrangregelungen und Abhängigkeiten.
Z.B. muss das Vorlesungsverzeichnis die Erfüllbarkeit von Prüfungs- und Studienordnung gewährleisten, es muss also z.B. genug Seminare geben wenn ein Pflichtseminar gefordert ist und Pflichtveranstaltungen müssen regelmäßig angeboten werden.
Die Studienordnung muss kompatibel zur Prüfungsordnung sein, die wiederum zur (zu den) Rahmenordnungen passen muss. Die Rahmenordnung hat Vorrang über die Prüfungsordnung – wird also die Rahmenordnung geändert, MUSS die Prüfungsordnung angepasst werden.
Alles klar?
Kommentar: Benedicta
(282) – 17. September 2009 @ 22:36
@benedicta: Danke für die Aufklärung, da können dann schon mal Jahrzehnte verstreichen, bis sich was verändert ..
Kommentar: chefarzt
– 17. September 2009 @ 22:54
Jein. Das, was lange dauert, ist der Übergangsprozess.
Es dauert etwa 6 Monate, eine Prüfungsordnung zu entwerfen.
Die geht dann in die Rechtsabteilung, die klären den ganzen Konsistenz-Kram. Da die darin Übung haben, geht das eingermaßenNackenverspannungen schnell.
Danach muss das Magnum Opus den Dienstweg gehen: i.d.R.
- Abnicken in der Studienkommission (Institut)
- Abnicken im Fachbereichsrat (Fakultät)
- Abnicken im Senat (Uni)
- Abnicken im Ministerium (Bundesland).
Das dauert auch nochmal etwa ein Semester.
Dann kann der Studiengang mit neuer PO “in Betrieb” gehen. Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens gelten dann quasi zwei POs – die alte für alle schon eingeschriebenen Studenten und die neue für alle ab dem Stichtag eingeschriebenen Studenten. Erst wenn der letzte Student nach alter PO fertig (oder endgültig durchgefallen) ist, ist die alte PO auch weg. Das kann schonmal länger dauern… ich kenne durchaus Studis, die 20 und mehr Semester brauchen. Wenn die zum Stichtag im 2. Semester sind – bingo, da hast du deine 10 Jahre
Schwierig wird es, wenn häufige Änderungen an der PO gemacht werden. An meiner alma mater haben die in meiner Studienzeit jährlich die PO geändert. Folge war, dass es dann Prüfungen gab, die die Anforderungen von etwa 10 POs gleichzeitig erfüllen mussten:
- aktueller Jahrgang
- Wiederholer aus den vorangehenden 3-4 Jahrgängen
- und dasselbe nochmal für Nebenfächler aus ca. 4 Studiengängen…
Stell dir vor, du müsstest nicht nur wissen, in welcher Krankenkasse deine Patienten sind, sondern auch noch wann sie eingetreten ist (weil der Vertrag vom Eintrittszeitpunkt gilt) und du müsstest deine Behandlung dann auch noch für alle Patienten gleichzeitig anpassen…
Kommentar: Benedicta
(282) – 18. September 2009 @ 01:00