Die 10-Euro-Krankenkassen-Eintreibungsgebühr, auch scherzhaft Praxisgebühr genannt, ist nun schon seit einigen Jährchen in Deutschland etabliert. Neben Krankenkassenkarte muss auch der Zehner über den Tresen gegeben werden. Die KV Bayern schlägt nun vor, dass diese Gebühr künftig von der Krankenkasse selbst eingezogen werden soll (Ärzteblatt 30.04.2010).
Erleichterung für Ärzte und Patienten? Mit Sicherheit! Kostendämpfung? Der Anfang weiterer Erhöhungen der Kassengebühren?
Was meint ihr? Würde Euch der Praxis-Zehner fehlen?
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ich dachte immer dieses Geld ist für die Kaffeekasse, Blumenschmuck in der Praxis oder sonstiges. Bei mir werden die 10 € schon von Anfang an von der Krankenkasse einbehalten. Bis heute habe ich aber den Sinn dieses Obolus noch nicht verstanden. Sollten diese 10 € allerdings nicht direkt in der Praxis verbleiben, dann denke ich ist es eine Erleichterung fürs Personal und die Patienten bringen den Kaffee wieder selber mit
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Kommentar: Hans
(460) – 30. April 2010 @ 21:00
Eigentlich handelt es sich ja schon um eine ganz vernünftige Gebühr. Dem Patienten wird klar gemacht, dass ein Arztbesuch eben nicht umsonst ist, sondern halt einfach auch Geld kostet.
Wenn ich mir als Apotheker die Rezepte über ACC gegen den normalen Husten ansehe, die aufgeschrieben wurden, frage ich mich schon, warum manche Leute zum Arzt gehen.
Kommentar: Steven
(5) – 01. Mai 2010 @ 12:21
@hans: So ist es …
@steven: Vermutlich werden die 10 Euro-Praxisgebühr sowieso bleiben. Aber oft geht der Weg doch zuerst in die Apotheke und dann erst zum Arzt, oder?
Kommentar: chefarzt
– 01. Mai 2010 @ 22:49
@chefarzt:
Findest Du das so verkehrt?
Persönlich bin ich als Apotheker der Meinung, dass bei banalen Krankheiten die Apotheke auch der erste Ansprechpartner sein sollte, auch um den Hausarzt zu entlasten:
Für den banalen Schnupfen (Nasenspray + Mucosolvan + “viel trinken”), den normalen Bienenstich (nix allergisches) (Fenistil oder Hydroxcortison), die normale Prellung mit blauem Fleck (Voltaren Salbe oder Heparinsalbe), die Reisemedikationsberatung (+ Impfberatung), den gelegentlichen Blutdruckcheck (mit Eintrag des Wertes in ein kleines Heftchen), die Inkontenenzberatung (Auswahl geeigneter saugfähiger Binden, Höschen oder Vollmontur) sind die Apotheken doch geradezu prädestiniert.
Falls eine Krankheit nicht mehr im Rahmen der Selbstmedikation abklärbar ist (z.B. Augen verblitzt (allgemein: alles, was mit Augen zu tun hat und nicht gerade das Symptom “trockene Augen” hat), Blutdruck ist ständig bei 150/95, ungeklärte Schmerzen im linken Arm (SOFORT ZUM ARZT! UND NEIN: WIR WARTEN NICHT MEHR DAHEIM AB, OB DAS BESSER WIRD!), Erkältung mit gelben oder grünem Auswurf, etc.) hab ich den Kunden eigentlich sofort weitergeschickt!
Kommentar: Steven
(5) – 02. Mai 2010 @ 10:14
@steven: Klar, das sehe ich genauso. Nur, wenn schon 60-70 Euro in der Apotheke investiert worden ist, und sich Patienten dann über die 10 Lappen in der Arztpraxis beschweren, komme ich nicht mehr ganz mit.
Kommentar: chefarzt
– 02. Mai 2010 @ 12:29
also wenn ich es jetzt richtig verstehe, dann ist diese Praxisgebühr keine Praxisgebühr wie es wir als Patienten verstehen, sondern ein zusätzliches Entgelt für die Krankenkasse ? Der Arzt erhält in diesem Fall kein Anteil daran oder ? Er ist ein sogenannter Geldeintreiber für die Versicherung, darf sich dumme Sprüche anhören und sich mit den Patienten streiten, alles im Namen der Krankenkasse. Das Ganze muss doch auch buchungstechnisch erfasst werden, Kassenbuch, abends Geld zählen, Geld verwahren usw. macht ihr Ärzte dieses eigentlich freiwillig oder gibt es dafür eine kostenlose Kraft? Die Krankenkassen sind also zu feige dem Mitglied zu sagen wir wollen noch mehr Geld, man delegiert es einfach weiter und macht andere zu Sündenböcken. Für einen Arztbesuch soll bezahlt werden, ok das verstehe ich noch, eigentlich zahlen wir ja schon Krankenkassenbeiträge und bei den Rezepten auch noch einen Anteil. Wenn ich nun zum Dok gehe, dann bekommt er erst mal Verwaltungsarbeit die vermutlich nicht bezahlt wird, ich bezahle aber am Eingang Eintritt und die Kassen profitieren davon. Sehe gerade in einer Zeitung das es auch noch einige Ausnahmen gibt , also alles nicht so einfach, irgendwann verwalten wir uns noch zu Tode.
Kommentar: Hans
(460) – 02. Mai 2010 @ 15:07
@hans: Daher ist es ja die “Krankenkasseneintreibungsgebühr”. Machen die Ärzte selbstverständlich kostenlos. Das eingenommene Geld wird dann bis auf den letzten Cent vom Gehalt abgezogen.
Kommentar: chefarzt
– 02. Mai 2010 @ 19:19
@chefarzt:
Naja, also wenn der Patient wegen nem banalen Schnupfen 60 Euro in der Apotheke gelassen hat, hat er entweder was falsch gemacht oder war in der verkehrten Apotheke.
Ganz ehrlich, was verschreibst Du als Arzt gegen Schnupfen? Nasenspray, Mucosolvan, Gelomyrtol (oder ähnliches). Das ganze auf nem grünen Rezept, dass der Kunde eh selber zahlt.
Und ebenfalls ehrlich: Wenn wir nen Kunden hatten, der wegen seiner Erkältung so gelben Schnodder hat, wurde der gleich zum Arzt geschickt.
@Hans:
Grins, Dein Post stimmt.
Und jetzt tausch mal folgende Sachen aus:
“Praxisgebühr” gegen “Rezeptzuzahlung”
“Arzt” gegen “Apotheker”
Und dann lies ihn nochmal durch, dann stimmt er immer noch. Die Rezeptzuzahlung in der Apo geht ebenfalls an die Krankenkasse.
Um mich richtig zu verstehen: An und für sich ist das durchaus ein richtiges Instrument. Arztbesuche und Medikamente kosten Geld. Und wenn ich mir ansehe, wieviel Leute ihren Arzt sinnlos aufsuchen, bzw. wie viele Leute ihre verordneten Medikamente nicht nehmen, sondern wegwerfen, darf man das von Seiten der Kasse auch verdeutlichen. 10 Euro Praxisgebühr und 5 Euro pro Medikament sind normalerweise bezahlbar.
Anders sieht es aber bei der 70jährigen Dame mit 600 Euro Rente und verschiedenen Krankheiten aus:
Für die sind die 10 Euro Rezeptgebühr und die 60 Euro Zuzahlung ein Haufen Geld. Und wenn man dann berücksichtigt, dass die Kassen (besonders scharf: die Kasse, die sich der “Gesundheit” widmet) bei einem vernünftigen Blutdruckmessgerät (ein Blutdruckmessgerät für 20 Euro ist nicht vernünftig, das Teil ist nach nem Jahr kaputt), welches ca. 50 Euro kostet nur 15 Euro übernehmen, wovon die Dame noch zusätzliche 5 Euro Rezeptgebühr zahlt, ist das eine Sauerei.
Dass diese Dame verschreibungsfreie Medikamente, die durchaus wirken, selbst auf Arztrezept komplett nicht mehr von der Kasse erstattet bekommt, ist erst recht ne Sauerei.
(bin Apotheker, aber nicht in der öffentlichen Apotheke tätig)
Kommentar: Steven
(5) – 03. Mai 2010 @ 20:34
@steven: Naja, 60 Euro fürn Schnupfen ist schon übertrieben, aber der gelbe Lappen muss trotz grünem Rezept immer noch vom Druiden ausgefüllt werden.
Ansonsten hast Du natürlich recht mit Deinen Aussagen.
Übrigens: Wie wäre es mit einem eigenen Blog? Wäre sicher interessant zu lesen. Bloggende Apotheker kenne ich ja nur eine …
Kommentar: chefarzt
– 03. Mai 2010 @ 21:09
@chefarzt:
Naja, hoffe, ein Landarzt macht noch was anderes ausser gelbe Lappen auszufüllen.
Eigener Blog wäre eine Idee, wenn ich als Apotheker noch in ner Apo arbeiten würde… Selbstständig machen ist mit den Ketten im Hintergrund und der deutschen Geiz ist Geil-Mentalität einfach nicht mehr drin. Aber ich denke, dass die bloggende Apothekerin auch für deutsche Apotheken spricht…
Kommentar: Steven
(5) – 05. Mai 2010 @ 22:23