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Krankes Deutschland

Was machen die Deutschen 18 mal pro Jahr? Na? Nein, nicht in die Kneipe gehen, auch nicht ins Fußballstadion. Vielleicht Duschen? Sport treiben? Alles Unsinn. Wir gehen 18 mal pro Jahr zum Onkel Doktor. Jetzt ist es raus. Im internationalen Vergleich sind wir damit Spitze meint der Barmer-GEK-Arztreport (siehe Tagesschau.de). Schrecklich. Da drängen sich die Fragen auf: Wieso, Weshalb und Warum? Und wie kann man dies vermeiden? Denn Arztbesuche kosten schließlich unnötig viel Geld. Hier möchte ich einmal zur Klärung des Sachverhaltes beitragen.

Im Barmer-GEK-Report erfahren wir desweiteren, dass ein Arzt pro Woche in Deutschland 224 Patienten in jeweils 8 Minuten abfertigt. Damit kommen wir, wie der Kinderdok schon korrekt anmerkte, auf eine prima 30 Stunden-Arbeitswoche. Eigentlich super.

Da bekanntlich Abrechnungspauschalen existieren, können die einzelnen Arztbesuche gar nicht alle rechnerisch erfasst werden. Möglicherweise liegt die Dunkelziffer der Druidenbesuche noch höher!

Die Frage nach dem Warum kann man nicht so einfach beantworten. Möglicherweise sind die Deutschen einfach kränker. Vielleicht geht man hier mehr auf Nummer sicher. Eventuell tummeln sich hier mehr Hypochonder. Auch die Erderwärmung könnte hierbei eine tragende Rolle spielen. Das haben Sie jetzt nicht verstanden? Egal, ich auch nicht. Doch nun zu der Frage:

Wie können wir Arztbesuche vermeiden um Kosten zu senken?

  • Laut Rolf Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorsitzender der Barmer GEK, heisst das Zauberwort “Steuerung”. Der Hausarzt solle sich mehr mehr Zeit für seine Patienten nehmen und als “Lotse” entscheiden, ob ein “Facharztbesuch” notwendig sei. Leider schwierig zu praktizieren, da dem Lotsen praktisch alle Eigenleistungen durch verminderte Kohlenzufuhr genommen wurde. (siehe: Was verdienen Ärzte 2009)
  • Für Patienten gilt: Einfach mal die Zähne zusammenbeissen. Beim nächsten Blinddarmdurchbruch einfach mal eine Fußreflexzonenmassage durchführen lassen. Hilft meistens auch ganz gut.
  • Kommt man medizinisch mal gar nicht weiter schaut man einfach im Internet nach. Manchmal fällt es einem da wie Schuppen aus den Haaren.
  • Durch die derzeit praktizierte Dezimierung der Ärzte löst sich das Problem vermutlich von alleine. 50 km zum nächsten Orthopäden überlegt man sich dann doch.
  • Mehr Sport, gesünder Essen, weniger Rauchen? Ich komme einfach nicht auf die Lösung. Kann mir da jemand helfen?

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Dieser Beitrag (von insgesamt 845) wurde am Mittwoch, 20. Januar 2010 um 22:36 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Gesundheitspolitik abgelegt. Du kannst alle Artikel bei Monsterdoc durch den RSS-Feed verfolgen. Alle Kommentare gibts beim Kommentar-RSS-Feed.

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21 Kommentare

  1. Fraglich ist doch in der Tat, ob tatsächlich die Morbidität gestiegen ist oder ob sie sich überhaupt großartig von der anderer westlicher Staaten unterscheidet. Kann ich mir schwerlich vorstellen.

    Eine Möglichkeit wäre auch, dass bei einer Konsultation immer weniger geschafft wird. Soll heißen, eigentlich sollten ja noch die Laborwerte besprochen werden, die monatliche Schmerzspritze gesetzt werden, Blut abgenommen werden etc. pp. Ob das an Schludrigkeit, Zeitmangel oder logistischen Problemen liegen könnte, ist wiederum eine andere Frage.

    Oder – und das halte ich für einen nicht zu unterschätzenden Faktor -: Es hat sich eingebürgert, dass Patienten ausschließlich wegen eines Rezeptes kommen, am besten noch für ein Medikament, das gar nicht angezeigt ist. Ich meine keinen Off-Label-Use, sondern die typische Situation, dass Patienten kommen, weil sie meinen, jetzt unbedingt ein Antibiotikum zu benötigen. Oder weil das Rezept für eine neue Packung Betablocker ja unbedingt beim Arzt höchstpersönlich abgeholt werden muss.

    Und wie steht es eigentlich mit den unzähligen DMP-Checks? Sind die nicht auch total geboomt? So weit ich da den Überblick habe, ist das DMP-Prinzip der absolute Renner geworden.

    Kommentar: EarlMobileNo Gravatar (27) – 21. Januar 2010 @ 00:26

  2. 18 mal pro Jahr? Das ist ja der Wahnsinn!
    Okay, ich bin jung und gesund und kann deswegen wahrscheinlich nicht mitreden, aber ich bin (Unfälle und FÄ mit eingerechnet) höchstens fünf mal im Jahr beim Arzt. Allerhöchstens.

    Kommentar: HermioneNo Gravatar (760) – 21. Januar 2010 @ 00:28

  3. Ach, 18 Mal is doch gar nix!

    Kommentar: premiumpatientinNo Gravatar (24) – 21. Januar 2010 @ 02:12

  4. Uh. Gibt es soviele chronisch kranke Menschen in D? Oder wie kommt diese 18 zustande? Für einen Normalo ist’s dann doch reichlich oft, wenn man mal vom Musterpatienten ausgeht: 2x Zahnarzt-Vorsorge, 2x Gyn-Vorsorge, 1x Darmkrebsvorsorge, wenn man Pech hat 2x arztpflichtig krank. Macht 7. Ok, die Vorsorgeuntersuchungen von Kindern könnten den Schnitt noch erhöhen, aber dann ist man immer noch weit von 18! entfernt.

    Kommentar: MuckeltigerNo Gravatar (86) – 21. Januar 2010 @ 07:50

  5. 18 MAL PRO JAHR??? Das ist ja der Wahnsinn.

    Aber du hast die wichtigste Massnahme, wie man das eindämmen könnte vergessen *mit dem Zaunpfahl wink* … nicht? Also deutlicher: bei kleinen Gesundheitsbeschwerden erst mal in die Apotheke gehen … da wird man auch durch eine Fachperson des Gesundheitswesens beraten .. und erst mal wirklich gratis und ohne Voranmeldung. Falls nötig wird an den Arzt weitergeleitet.
    Setzt natürlich eine gewisse Eigenverantwortung des Patienten voraus.

    Kommentar: PharmamaNo Gravatar (92) – 21. Januar 2010 @ 08:12

  6. Interessant finde ich in dem Artikel den Abschnitt “Wie kommt die Barmer GEK auf ihre Zahlen?”. Dort ist die Rede davon, dass die Zahlen hochgerechnet sind und letztendlich darauf basieren, dass pro “Versichertem im Schnitt 7,5 Behandlungsfälle (“Krankenscheine”) abgerechnet hätten”. Durch Statistik kommt man dann auf die 18 Besuche.
    Nun stellt sich aber die Frage, ob “pro Versichertem” auch beeinhaltet, dass hinter einem Versichertem (dem Beitragszahler) mehrere mitversicherte Ehepartner und Kinder stecken können. Wenn man natürlich die Krankenscheine/Besuche einer ganzen Großfamilie auf einen Versicherten “bucht”, sind 18 Besuche kein wirkliches Problem…

    Kommentar: o2junkieNo Gravatar (10) – 21. Januar 2010 @ 09:00

  7. Die unbequeme Wahrheit:
    es liegt vor allem an einigen Seltsamheiten im System:
    1) Das “Sachleistungsprinzip”
    Für den Patienten ist der Arztbesuch (bis auf die erstmalige 10€-Gebühr pro Quartal) völlig kostenlos und er weiß nicht einmal, wie viel Kosten er verursacht. Dadurch wird die Entwicklung eines gewissen Kostenbewußtseins komplett unterbunden. Der Pat. zahlt aber recht viel Krankenversicherungsbeiträge, so dass er das Gefühl hat, auch ein Recht darauf zu haben, wieder was “raus zu holen”.
    Würden ähnliche Prinzipien wie bei der Autoversicherung oder anderen Versicherungen gelten (mit genauer Einsicht in die Kosten, ggf.Selbstbeteiligung, Prämienanstieg beihäufiger Insanspruchnahme,…) dann würden sich einige Arztbesuch wahrscheinlich vermeiden lassen. Allerdings ist das nicht populär, Wählerstimmen gewinnt man damit nicht und deshalb traut sich keiner …

    2) Das Unsinnige Quartalsgedöns
    Der Arzt wird pro Quartalsfall bezahlt. Nur wenn der Patient imQuartal auch da war, darf der Arzt korrekterweise abrechnen. Das führt bei Wiederholungsrezepten dazu, dass der Pat. in der Regel beim Arzt wenigstens einmal pro Quartal erscheinen muss (Karte einlesen, Überweisung vorlegen,dann Rezept). Mag es auch oft sinnvoll sein diese Patienten mit Dauermedikation (meist chronsich Kranke) regelmäßig zu sehen, so mancher Arztbesuch ist sicher überflüssig. Lösung: der Arzt bekommt eine gewisse angemessene Grundpauschale für bei ihm eingeschriebene Patienten, auch wenn sie so gut behandelt sind,dass sie ihn vielleicht nur alle 6 Monate brauchen. Das führt in anderen Ländern auch zu selteneren Arztbesuchen.

    Kommentar: drgeldgierNo Gravatar (82) – 21. Januar 2010 @ 11:50

  8. Ach ja, gute Ideen gibt es genug. Aber, mal im Ernst, wer hat denn ein Interesse, diese durchzusetzen?
    Wir Ärzte – und auch Apotheker, Pflegeberufe, und was weiss ich noch alles – leben doch von den Hypochondern und vor allem davon, den Gesunden alle möglichen Krankheiten anzudichten.
    Wo kämen wir denn hin, wenn plötzlich alle gesund wären und niemand mehr zum Arzt ginge?
    Das Gesundheitswesen ist ein riesengroßer Wirtschaftsfaktor!

    Kommentar: medizynicusNo Gravatar (119) – 21. Januar 2010 @ 11:58

  9. @medizynikus: Ja, stimmt das Gesundheitswesen ist ein riesiger Wirtschaftsfaktor. ABER..
    Beruflich gesehen finde ich es ziemlich anstrengend, wenn z.B. eine Mutter ihr Kind wegen Fieber und 2 Tage Durchfall ins Krankenhaus schleppt, dann auch noch aufgenommen wird, obwohl sie es auch zuhause gut pflegen könnte, Stichwort schluckweise Tee etc. (und mit Kinderarzt im Hintergrund). Diese unnötigen KH-Aufnahmen führen dazu, dass diese Eltern die Erkrankung als “so schlimm, wir mussten sogar ins Krankenhaus” abspeichern und im Bekanntenkreis so weitererzählen. Das stiehlt den “richtig kranken” pflegerische Zeit und Aufmerksamkeit..

    Privat finde ich es auch nicht gerade toll wegen einer Platzwunde meines 3jährigen in der Notaufnahme zu verschimmeln, weil dort ca. 12 Kinder “warten”, von denen bis auf 2 (!) alle auf dem Karussell der Wartehalle lustig umhertollen und ich mich frage, wozu genau die wohl hier sein könnten.. Für meinen Sohn war das Warten nicht so schlimm, allerdings hatte ich zu der Zeit noch ein Neugeborenes, das ich frisch gestillt beim Vater zuhause liess, in der naiven Annahme 3 Stunden später wieder zuhause zu sein. Die Wunde wurde gesäubert und geklebt, Dauer: 15 Minuten.

    Berufsethos bitte ganz hoch halten.

    Kommentar: MuckeltigerNo Gravatar (86) – 21. Januar 2010 @ 13:28

  10. Wie die Zustande kommen?

    Wenn ich mal für mich rechne:

    Ich habe eine feste Zahnspange. Ungefähr 11 x im Jahr muss ich zum Kieferorthopäden zur Kontrolle / neu Drähte.

    Ich brauche Einlagen für meine Schuhe: 2x im Jahr Orthopäde.

    Brillen (Kontaktlinsenträgerin): 2x Opthalmologe

    Zahnarzt: Unter 18, 2x

    Damit wäre ich schon bei 17 Besuchen, ohne einmal krank gewesen zu sein.

    P.S.: Die Zahnspange betrifft nur 2009, ich bekomme sie bald raus.

    Kommentar: TheaNo Gravatar (193) – 21. Januar 2010 @ 15:46

  11. Meine Oma pflegte dazu zu sagen

    “fangsch a doktere, fansch a lottere”

    :)

    Kommentar: moneNo Gravatar (28) – 21. Januar 2010 @ 18:36

  12. Ach übrigens: Ich gehe fast jeden Tag im Jahr zum Arzt ….

    @o2junkie: Bezieht sich wohl nur auf den einzelnen Versicherten.
    Diese “Hochrechnungen” kann man trotzdem nicht nachvollziehen. Niedergelassene werden nach Pauschalen bezahlt und nicht nach Einzelbesuchen. Fazit: Nicht erfassbar!

    Ergebnis: Wir wissen nicht einmal ob diese 18 überhaupt stimmt. Also warum müssen wir uns dann die Frage stellen, ob wir irgendwas verändern müssen.

    Trotzdem: Es fault weiter im System, “da muass doch was passiera!”

    @mone: Das musst du uns jetzt aber übersetzen …

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 21. Januar 2010 @ 19:12

  13. hm 18x das ist heftig, aber ob das stimmt…..
    ich geh etwa 3x Hausarzt (2x Rezept für Pille abholen, 1x überweisung FA) und 1x Frauenarzt… sprich 4x Arzt ohne krank zu sein… letztes Jahr kamen dann noch 2x impfen dazu….Ach ja, ich versuch das meistens so hinzulegen dass ich in möglichst wenig Quartalen hinmuss (10€ sind viel,… in Mittagessen umgerechnet sind das 4x Mensa..)

    Kommentar: DelfinSternNo Gravatar (611) – 21. Januar 2010 @ 20:40

  14. @delfinstern: Na ja, manchmal werden eben die 10 Lappen lieber in andere Dinge investiert …

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 21. Januar 2010 @ 21:30

  15. hmm das hab ich befürchtet :)
    nun sinngemäß übersetzt

    “gehst Du erstmal zum Arzt – fängt Du an zu verlottern”

    Kommentar: moneNo Gravatar (28) – 21. Januar 2010 @ 21:36

  16. @mone: “Kommen Sie zu uns (Hospital), wir machen mehr aus Ihrer Krankheit”

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 21. Januar 2010 @ 22:22

  17. lach – super! :)

    Kommentar: MoneNo Gravatar (28) – 22. Januar 2010 @ 08:52

  18. Das schaff ich locker….ein bißchen multimorbide und schon geht es los.

    Kommentar: crocoNo Gravatar (16) – 22. Januar 2010 @ 10:53

  19. @croco: Irgendwie ist 18 gar nicht so viel …

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 22. Januar 2010 @ 13:56

  20. Ich hab den Beitrag auch gesehen. Mich erstaunt nur, dass die Deutschen im Vergleich aber fast nie wirklich krank sind. Die Schweden waren da glaub ich an der Spitze, gehen aber ganz selten zum Arzt. Ich frage mich, wie das überhaupt gehen kann, denn wenn ich nicht zur Arbeit gehe, muss ich doch ein Arztzeugnis bringen? Ist das in Schweden nicht so? Oder kann man sich das dort selbst ausstellen!

    Kommentar: NotfallNo Gravatar (1) – 23. Januar 2010 @ 14:41

  21. @notfall: In Deutschland gilt häufig: Krankmeldung vom Arzt erst ab dem dritten Tag notwendig. Vielleicht hängts damit zusammen. In Schweden kenne ich mich nicht so gut aus …

    Kommentar: chefarztNo Gravatar – 23. Januar 2010 @ 19:48

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