Neulich so passiert: Geht ein Arzt zum Arzt … nein das ist jetzt kein Witz sondern die beinharte Realität in deutschen Arztpraxen. Selbstverständlich gehen Mediziner niemals zum Arzt, wenn überhaupt, dann behandeln sie sich selbst, auch wenn sie von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Nur wenn der Kopf vom Hals fällt, also bei einer Dekapitation beispielsweise (was die einzige Kontraindikation für eine Reanimation darstellt … aber ich schweife ab … ), fügt sich der Weicheiarzt in seine Patientenrolle.
Hier kann es dann zu erheblichen Schwierigkeiten bei Gespräch, Diagnostik und Behandlung kommen (Ärztezeitung 22.11.11). Ich möchte einmal folgende reale Konversation zwischen einem Patienten (Hausarzt) und seinem Behandler (Hausarzt) wiedergeben.
- Hausarzt: “Hallo Herr Kollegoid (warum kommste jetzt überhaupt zu mir?)”
- Patient: “Ich benötige Ihre Hilfe, habe da immer so Meläna ab und zu”
- Hausarzt: “Teerstuhl! Aha wie oft denn schon? (Der weiß doch selber was das bedeutet)”
- Patient: “Gelegentlich, aber eher auch blutig”
- Hausarzt: “Sie treffen da schon die richtige Entscheidung … (bin ich heute gehemmt)”
- Patient: “Und dann dieser furchtbare Husten”
- Hausarzt: “Brauchen Sie eine Krankmeldung, hehehe (Der hat doch sicher eh schon die ganze Diagnostik gemacht, aber das kann ich ihn jetzt wirklich nicht fragen, ist doch peinlich)”
- Patient: “Hahaha, wird schon nicht so schlimm sein”
- Hausarzt: “Also gebe ich Ihnen mal nen Hustensaft, und der Magen/Darm wird sich schon beruhigen (Wenn das jetzt ein echter Patient wäre, würde ich sagen, da ist Verdacht auf ein metastasiertes Colon Karzinom, aber hier …. nee nee …)”
- Patient: “Da bin ich schon beruhigt. Und ne Darmspiegelung?”
- Hausarzt: “Ach so, Sie hatten noch gar keine? Ja dann, könnten wir glatt eine machen … (bin ich blöd!)”
- Patient: “Da wäre ich dann noch beruhigter”
- Hausarzt: “Ja, also dann auf Wiedersehen Herr Kollege (ich behandle nie wieder Ärzte)”
In der nachfolgenden Darmspiegelung zeigte sich in der Tat ein Karzinom. In der Lunge waren Metastasen ….
Artikel zum Thema passend:
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Ich kann mir schon vorstellen, dass der übliche Mechanismus hier nicht greift. Wenn man als Normalo was hat, dann kriegt man ja von allen anderen Normalos gewollt oder ungewollt gesagt, was das alles Schlimmes sein könnte. Was vermutlich die meisten irgendwann zum Arzt treibt. Aber solche “Tipps” gibt man einem Medizinmann natürlich nicht … Und vermutlich ist auch das Repertoire an plausiblen Ausreden größer, wenn man was kleinreden will
Comment: Federkiel
(4064) – 22. November 2011 @ 21:55
Eigentlich sollte man ja davon ausgehen, dass diese Treffen reibungslos ablaufen, da beide die gleiche Sprache sprechen und wissen, was wichtig ist … aber scheinbar ist das ja nicht so. Sehr interessant – wenn auch nicht gerade eine tolle Situation…
Comment: Anton
(1) – 23. November 2011 @ 11:33
Naja, was soll man da schon machen.
Mein Hausarzt steht generell drauf wenn man seine Vermutungen äußert und gerade wenn man vom Fach ist sollte man da doch direkt seine Bedenken äußern können, oder?
Comment: Aurin
(2) – 23. November 2011 @ 14:42
Man will den Kollegen nicht “bevormunden” um ihm seine medizinische “Kompetenz” nicht streitig zu machen …. hier ist ein gesunder Mittelweg der Richtige … nicht ganz einfach …
Comment: chefarzt
– 23. November 2011 @ 19:30
Also mein Hausarzt schaut immer ein bissl komisch, wenn ich selber diagnostiziere… Find ich blöd.
Comment: Ben
(1) – 25. November 2011 @ 09:56
Ich habe einige Semester Medizin studiert, das Physikum mit einer durchaus sehr guten Note bestanden und habe durch mein Leben auch weitere Erfahrung im Bereich der Medizin gesammelt.
Nun ist es so, dass meine Hausärztin, welche ebenfalls meine Schmerztherapie überwacht, nur noch an 2 Tagen der Woche in Teilzeit aktiv ist. Da es sich allerdings um eine große Praxis handelt, gibt es ja genügend Kolleginnen und Kollegen, die Sie gerne vertreten..
In meiner Akte steht ein ziemlich deutlicher Hinweis, welcher der Computer jedes mal anzeigt, dass ich das Medizinstudium hinter mir hätte. Das bewirkt verschiedene Verhaltensweisen:
- Hausärztin (FÄ Allgemeinmedizin): Fragt mich, was ich denke und was ich machen würde. Redet ordentlich mit mir, erklärt nur auf Nachfrage oder “doofen Blick” Sachen und verwendet die Fachbegriffe. Manchmal dauert das Gespräch also nur 2 bis 3 Minuten und ich habe neue Rezepte und was sonst nötig ist.
- Vertretung #1 (FÄ Allgemeinmedizin): Nimmt zur Kenntniss, dass ich über einen fundierten fachlichen Hintergrund verfüge, ignoriert das aber praktisch komplett. Ist fast jedes mal verwirrt, wenn ich nach dem Wirkstoff frage und nicht den Handelsnamen wissen will. Gespräche dauern lange, hakt sehr genau nach. Hat eine Vorliebe für ´die Beschäftigung der blutsaugenden Kolleginnen und Kollegen.
- Vertretung #2 (FA Innere): Hat nie etwas zu meinen Kenntnissen bemerkt, aber ich gebe vor, was ich will. Wäre für einen Junkie die bevorzugte Wahl, da ich nur Ansagen muss, was ich in welcher Menge haben will – gleiches gilt für AU und sonstige Verordnungen. Fragt kaum nach.
- Vertretung #3 (FÄ Allgemeinmedizin): Erkennt die Vorkenntnisse an, schlägt aber auch alternative Behandlungsmethoden zu den bisherigen vor. Ist sehr konsequent und ein harter Verhandlungspartner für Verordnungen.
Fazit:
Mein Hauptbehandler hört auf mich, fragt trotzdem nach aber ich setze mich durch. Vertretung #1 ignoriert weitgehend meine Kenntnisse und verhandelt nicht über die Leistungen, geht aber allem ordentlich und fundiert nach. Mindestens bei Vertretung #2 wäre ich am Arsch, wenn es zu was ernsthaften kommen würde – außer ich gebe klar vor, was gemacht werden soll. Zuletzt habe ich bei ihm selbst bestimmt, was das Labor alles machen darf.. Und Vertretung #3 ist ein Mix aus der Anerkennung des Wissens und der Vorsicht, kein Ego zu verletzen.
Ich weiss schon, wieso ich mir je nach Problem genau einen aus der Liste aussuche bei Bedarf. Und ja, ich kann so ein Verhalten durchaus verstehen, auch wenn ich nicht in allen Lagen des Lebens glücklich darüber bin.
Comment: Chris
(12) – 25. November 2011 @ 14:48
Gut, wenn man eine solche Auswahl hat. Aber alle 3 in einem Quartal solltest du nicht aufsuchen, sonst kostets jedes Mal einen Zehner …
Comment: chefarzt
– 25. November 2011 @ 19:47
Ja, ja das kenne ich auch – am besten ist, man weiß selber ganz genau wo es lang geht… in Zeiten in denen es einem nicht so gut geht eine Leistung, die man dann nicht so gut erbringen kann…
Comment: Shivani Allgaier
(6) – 28. November 2011 @ 21:28
@chefarzt
Nein, ist ein spezialisiertes MVZ..
Comment: Chris
(12) – 07. December 2011 @ 23:02
@chris: Aber ne Überweisung von Hausarzt zu Hausarzt geht eigentlich nur unter bestimmten Bedingungen …
Comment: chefarzt
– 08. December 2011 @ 17:02
@chefarzt:
Betrachte das ganze – also alle aufgeführten Ärzte – als Gemeinschaftspraxis – da gibt es normalerweise keine Probleme wegen Überweisungen etc.
Ok, dann habe ich mich falsch ausgedrückt..
Comment: Chris
(12) – 08. December 2011 @ 17:04
@chris: Dann ist alles klar.
Comment: chefarzt
– 08. December 2011 @ 17:14