Wie wir wissen gibt es den sogenannten Placebo-Effekt. Sprich: In einer Pille beispielsweise ist kein Wirkstoff enthalten, trotzdem setzt die gewünschte heilende Wirkung ein. Beim Nocebo-Effekt (schadender Effekt) hingegen treten trotz fehlendem Wirkstoff (teils erhebliche) Nebenwirkungen auf. Ein besonders interessanter Fall war neulich die Placebo-Intoxikation (kein Witz!) eines Depressions-Patienten. (Ärztezeitung.de 19.10.12)
Da türmen sich mal wieder viele Fragen in mir auf. Zu welchem Prozentsatz können Menschen sozusagen eine Placebo-Selbstheilung erlangen? Spielt hier der Therapeut oftmals eine entscheidende Rolle mittels Zuwendung und Empathie? Benötigt man bei bestimmten Erkrankungen nur noch Placebos? Wieviele Nebenwirkungen sind “eingebildet” … usw.
Ich bitte um Eure Meinungen …
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Placeboeffekt ist super
Selber schon ausprobiert: Man nehme ein Erkältungsmittel wo Koffein drin ist, einmal sagt man es dem Freund und meint noch “dann kannst im Unterricht besser aufpassen” und o Wunder: “ich hab total konzentriert zugehört und war gar nicht mehr müde sondern fitter als sonst” und einige Monate später: “Nimm was, dann kannst zumindest in Ruhe schlafen” und er hat durchgeschlafen. Soviel dazu….
Alle Krankheiten lassen sich sicherlich nicht mit Placebos heilen, aber viele wohl schon, vorallem alltägliches. Es liegt aber auch stark an der Person, manche haben *immer alle* nebenwirkungen…. andere gar keine. Ist auch Einstellungssache, wenn ich mir dauernd sage “das hilft eh nix” dann bringts wohl auch nichts.
Comment: delfinstern
(709) – 19. October 2012 @ 22:54
Der Freund wäre eine prima Testperson in der “Placebogruppe” … stark personenabhängig ist dieser Effekt sicherlich …
Comment: chefarzt
– 20. October 2012 @ 20:33
ich denke mal, der noceboeffekt kostet jedes jahr millionen.
freundin von mir hat auch beipackzettel gelesen, beschlossen, dass selbstverständlich allen nebewirkungen, die dort aufgeführt waren bei ihr eintreten werden, und die medikamente nicht genommen.
Als wir dann mal bei ihr ausgemistet haben, bin ich mit einem Riesenkarton mit medikamenten im wert von schätzungsweise mehreren 100 € zur Entsorgung geschickt worden. und das war nur die ” Ration” von zwei jahren.
Sie dürfte nicht die einzige sein.
gruss landkrauter
Comment: landkrauter
(141) – 21. October 2012 @ 20:03
@landkrauter: Da werden viele Millionen in den Sand gesetzt. Das nennt sich dann Incompliance …
Comment: chefarzt
– 22. October 2012 @ 19:56
das wort incompliance gibt es nicht, aber schön erfunden isses (-:
eigentlich müsste es heissen: du vollpfosten hast dem arzt nicht zugehört oder aber: das gesprächt des arztes mit dem der das zeugs essen soll, hätte die compliance massiv erhöht, ist aber aus nicht näher nachvollziehbaren gründen unterblieben.
gruss landkrauter
Comment: landkrauter
(141) – 22. October 2012 @ 21:16
@landkrauter: Ja so könnte man es beschreiben. Aber im medizinischen Sprachgebrauch ist Incompliance durchaus üblich …
Comment: chefarzt
– 22. October 2012 @ 21:18
was unter beweis zu stellen scheint, dass mediziner kein englisch können…
grusel…
gruss landkrauter
Comment: landkrauter
(141) – 22. October 2012 @ 21:35
ich habe es nachgelesen, das Wort incompliant gibt es tatsächlich. Auch wenn es unschön klingt. Schön wäre Noncompliance. *KLUGSCHEISSMODUSOFF*
Ich bedecke somit mein Haupt mit Asche und murmle eine Entschuldigung in Richtung aller Mediziner.
Gruss Landkrauter
Comment: Landkrauter
(141) – 23. October 2012 @ 12:13
Mal von Patientenseite kommentiert:
Homöopathie ist in den Augen vieler ja nix anderes als eine Placebo-Behandlung. Ich kann dazu nur sagen – bei mir funktionierts. Warum, ist mir ziemlich wurstegal.
Ich habe Neurodermitis seit Geburt, wurde als Baby/Kleinkind klassisch mit Cortison behandelt und habe als 5 Jährige bereits Erwachsenendosen erhalten, da ich ein echt schwerer Fall war – genauso wie meine Schwester. Ich habe mit extremer Pergamenthaut auf die Cortisoncremes reagiert, die Abstände zwischen den Schüben wurden immer kürzer und die Schübe an sich immer schlimmer.
Daraufhin hat meine Mutter nach Alternativen gesucht und ich bin ihr echt dankbar dafür, denn seitdem bin ich Cortisonfrei.
Wie erwähnt, mir ist es Jacke wie Hose, ob Homöopathie wirklich wirkt oder ob es der Placeboeffekt ist, weil sich mein Therapeut (im Übrigen “echter” Arzt, also kein Heilpraktiker) Zeit für mich nimmt und sich anhört, was mich grad so bedrückt, glücklich macht oder was sonst so los ist. Ich kotz ihm einfach mal alles vor die Füße und dann nehm ich meine Kügelchen – und in 90% der Fälle passt wieder. Manchmal muss er nachlegen.
Sicher, ich muss dafür selbst zahlen – aber das ist es mir wert. Nur kann sich das nicht jeder leisten. Stark verallgemeinert und vereinfacht ausgedrückt läufts doch so: Der klassische Kassenpatient wird in der Regel kurz begutachtet und schon wird das nächste 08/15-Salbenprodukt aufgeschrieben.
Wirklich zuhören tut einem keiner – habe ich selbst schon am eigenen Leib in einer Uni-Klinik und einer Kur-Klink erfahren, als ich es zwischenrein doch mal wieder mit der Schulmedizin versucht habe.
Übrigens hab ich dank Homöopathie meine Mandeln immer noch. Als die 3. Mandelentzündung in Folge kam, wollte mein Vater schon nen OP reservieren – aber meine Mutter hat beim Homöopathen angerufen und nach 3 Tagen war der Spuk vorbei – bis heute, gute 17 Jahre später. Mit den Antibiotika die beiden Male davor habe ich jedesmal eine ganze Woche rumgemacht
Placebo hilft im Zweifel also gegen echt viel – aber sicherlich nicht gegen alles.
Grüße aus der Provinz,
Zora
Comment: Zora
(1) – 23. October 2012 @ 16:52
@landkrauter: Hehe, auch Noncompliance gibt es im üblichen Sprachgebrauch der Mediziner … du solltest baldmöglichst umschulen …
@zora: Nun ja, der Placeboeffekt ist großartig und sehr ernst zu nehmen. Es werden viele Witze darüber gemacht, aber er ist Fakt und wissenschaftlich sozusagen bewiesen. Nur: wenn man weiß, man bekommt eine “leere” Tablette, dann gibts sicherlich keinen Effekt … danke für deinen Kommentar. Grüße in die Provinz.
Comment: chefarzt
– 23. October 2012 @ 22:00
ich wusste, dass mein akt der entschuldigung wasser auf des monsterdocs mühlen sein würde.. Aber… noncompliance ist einfach sprachlich erheblich schöner..
incompliance .. wie gesagt, grusel… und NEIN, ich werde NICHT auf schlechtes englisch umschulen… jawoll..musste doch mal gesagt werden..
und wo belibt überhaupt hajo????
gruss landkrauter
Comment: landkrauter
(141) – 23. October 2012 @ 22:16
@landkrauter: Sehr gut! Hajo kommt um 23 Uhr
Comment: chefarzt
– 23. October 2012 @ 22:59
@chefarzt: Anscheinend wirken Placebos auch, wenn die Patienten wissen, dass sie ein Placebo bekommen. Der Originalartikel ist im folgenden Link zu finden:
http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0015591
Klar, es ist nur eine Studie, und sie hat die üblichen Limitationen, aber dennoch, ein erster Ansatz.
Comment: Alba
(8) – 24. October 2012 @ 20:21
@alba: Danke für den Link. Ist schon ne spannende Sache, mit dem Placebo. Wobei das mit dem Reizdarmsyndrom natürlich so eine Sache ist … wie es bei anderen Erkrankungen aussähe wäre noch interessanter …
Comment: chefarzt
– 24. October 2012 @ 20:32