Das ärztliche Deutsch ist einfach eine Katastrophe. In der Regel besteht es aus Aneinanderreihungen von griechisch-lateinisch-zynischen Floskeln. Nach der großen deutschen Rechtschreibreform gibt es zunehmend Initiativen und Institute für eine (noch) leichtere Sprache. Diesem Trend folgend möchte ich heute einen typischen Besuch bei einem Orthopäden (Knochenarzt) in zeitgemäßer “leichter” deutscher verständlicher Sprache darstellen (was für Schachtelsätze …)
Patient hat Rückenschmerzen und kommt in eine gut sortierte orthopädische Praxis.
- Arzthelferin: “Guten Morgen, Krankenkassenkarte und Überweisung bitte!”
- Patient: “Hier bitte!”
- Arzthelferin: “Gehen Sie doch schon mal in den Behandlungsraum, der Knochenarzt kommt gleich.”
- Patient: “Danke!”
- Knochenarzt: “Guten Morgen. Wo drückt denn der Schuh?”
- Patient: “Am Schuh, nicht, aber am unteren Ende vom Rücken. Und das linke Bein auch.”
- Knochenarzt: “Ah, oha, Sie haben Rückenschmerzen am unteren Ende des äh Rückens. Und der Nerv strahlt ins Bein aus. Ja genau.”
- Patient: “Da bin ich aber erleichtert. Ich dachte ich hätte Lumboischialgie.”
- Knochenarzt: “Ach, das sind doch Begriffe von Gestern. Nein, sie haben Rückenschmerzen am unteren Ende des Rückens mit Ausstrahlung ins Bein und daher gebe ich Ihnen ein Rezept für ein Schmerzmittel, dass gelegentlich den Magen verderben kann aber nicht muss.”
- Patient: “Meinen Sie Diclofenac?”
- Knochenarzt: “Welch vorsintflutliche Bezeichnung. Gut, also hier ein Schmerzmittel und zusätzlich ein Magenschutzmittel.”
- Patient: “Ah, Omeprazol?”
- Knochenarzt: “Einen Säureblocker, ja!”
- Patient: “Vielen Dank. Und bekomme ich noch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung?”
- Knochenarzt: “Selbstverständlich, hier der gelbe Lappen. Einen schönen Tag noch.”
- Patient: “Super, äh Entschuldigung, der ICD-Code für die Lumboischialgie ist falsch … “
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Dieser Beitrag (von insgesamt 857) wurde am Dienstag, 24. Januar 2012 um 21:12 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie
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So richtig verständlich. sich auf Deutsch auszudrücken klingt wirklich selbst für einen medicus auf einmal bestechend einfach.
Gruss Landkrauter
Kommentar: Landkrauter
(135) – 25. Januar 2012 @ 10:17
oh, und ich ermutige meine ärzte sogar noch, “medizinisch” mit mir zu reden, weil ich das dank studium ja doch so halbwegs verstehe (und wenn nicht, dann frag ich halt). sollte ich mir vielleicht abgewöhnen und lieber die leichte sprache mit ihnen üben, aus rücksicht auf andere patienten.
Kommentar: silberträumerin
(12) – 25. Januar 2012 @ 11:40
Also hin und wieder einfach mal “Lugenentzündung” statt “Pneumonie” zu sagen bzw. zu schreiben oder, _da wo’s passt_, statt “zentral, caudal” “mittig auf der Rückseite” in den Befund zu schreiben, sollte eigentlich nicht weiter gefährlich für die Krone auf dem Haupt sein und die Befunde _auch Patienten_ ein klein wenig leichter lesbar machen. Vielleicht können die dann im Arztgespräch sinnvoller mitdiskutieren.
Fragen bleiben natürlich:
Ist es überhaupt erwünscht, dass Patienten ihre Befunden selbst lesen?
Sollen die überhaupt mitdiskutieren, wenn’s um ihre eigene Gesundheit geht?
Wie ist das im Binnenverhältnis zu Euern Kollegen, Bedenken sich lächerlich zu machen, die Termini selbst nicht mehr zu beherrschen?
Kommentar: kall
(36) – 25. Januar 2012 @ 12:25
sorry, ich meinte natürlich dorsal
Kommentar: kall
(36) – 25. Januar 2012 @ 12:27
Klare und deutliche Worte, so versteht es jeder
Kommentar: hans
(468) – 25. Januar 2012 @ 15:09
@kall: Dorsal caudal … also untereinander spricht man schon hochmedizinisch, sollte man auch … aber gegenüber den Patienten sollte man schon “Vereinfachen”
@hans: Nur der Patient versteht nicht …
@silberträumerin: Der Trend geht in Richtung “einfache Rede”, da solltest du deinen Arzt nicht überfordern …
@landkrauter: Wir kochen auch nur mit Wasser …
Kommentar: chefarzt
– 25. Januar 2012 @ 20:46
der trend geht dorthin, klar. ist auch gut so. die meisten patienten haben nunmal keine medizinsche ausbildung. aber ist es nicht gerade auch die berücksichtigung (und würdigung!) von sozialem/beruflichem background, die einen guten arzt auszeichnet? ich persönliche finde es jedenfalls positiv, wenn meine ärzte anerkennen, dass ich auch fachbegriffe verstehe und sich entsprechend mit mir unterhalten.
Kommentar: silberträumerin
(12) – 25. Januar 2012 @ 22:43
Mir ist auch schonmal als Patient “Hypertonie” statt “Bluthochdruck” heraus gerutscht. Da war die K**** aber am Dampfen. Und dabei hatte ich so darauf aufgepasst alles medizinische zu verdeutschen.
Kommentar: FrauLange
(1) – 26. Januar 2012 @ 09:47
@silberträumerin: Das merkt man im Gespräch dann relativ schnell. Da mach ich dann auch bald auf lateinisch-griechisch weiter …
@fraulange: Solange der Arzt das noch versteht ist alles gut …
Kommentar: chefarzt
– 26. Januar 2012 @ 19:47