Sodele, das Projekt Everest wäre also hiermit abgeschlossen. Zu meiner Entlastung will ich Euch noch kurz berichten, warum dies alles so geschehen ist. Ich muss das tun, um mich künftig wieder mit meinem eigenen “Chefarzt”-Ich identifizieren zu können. Die Soap “Hajo der Stationsarzt” schrieb ich bis Juni 2009 mehr oder wenig regelmäßig auf Monsterdoc. Irgendwann verlief die Geschichte im Sand. Ende des letzten Jahres wurde ich dann von der Premiumpatientin abgemahnt, Hajo gefälligst wieder zu reanimieren …
Eine schöne, interessante, aber auch harte Expedition geht zu Ende. Ein wild zusammengewürfeltes Bergsteiger-Team formierte sich unter der Leitung des schweizerischen Bergführers Karl. Hajo, unsere ehemaliger tolpatschiger Stationsarzt, mauserte sich zu einem knackigen Unfallchirurgen und wurde Expeditionsarzt des Everlasting Rest Team 2010. Nach der Anreise erfolgten zunächst einige Rückschläge.

Es ist geschafft. Der Mount Everest wurde von den meisten Bergsteigern des Everlasting Rest Team bezwungen. An das Drama des Abstiegs erinnern wir uns jedoch nur ungern. Wir haben alle überlebt, und das zählt. Die letzten Tage haben das Team zusammengeschweißt, es ist unzertrennlich geworden. Theas Sprunggelenksfraktur ist operativ versorgt worden. Sie ist wohlauf, ebenso Ämpee, Elena und Hajo. Das Medizin-Zelt ist prall gefüllt, aber dennoch: Jetzt ist Party angesagt! Um 21 Uhr beginnt die OP-Party im Lounge-Zelt. Eingeladen ist jeder, es wird jedoch empfohlen sich angemessen zu kleiden, sprich OP-Haube, Maske usw. Für mich ist das ja nichts besonderes, denn ich kleide mich jeden Tag so, wie Ihr ja wisst.
Nebenbei müssen aber natürlich die Kranken die ganze Nacht über weiterbetreut werden (falls nicht alle zur Party kommen können). Dafür haben sich gestern zahlreiche medizinisch-orientierte Kräfte per Twitter und Facebook bereiterklärt. Auch psychotherapeutische Unterstützung wird dringend benötigt. Ich selbst beispielsweise möchte mich heute Abend schon einer Psychoanalyse unterziehen, vielleicht, … schau mer mal.
Also, wie gesagt, alle ins Lounge-Zelt kommen und gute Musik mitbringen !!! Party !!!
Wir befinden uns immer noch am Mount Everest. Meine Nerven liegen blank. Die letzten 2 Tage hatten es in sich. Alle 17 Bergsteiger schafften den Gipfel, doch beim Abstieg spielten sich dramatische Szenen bei Schneetreiben, Sturm und Dunkelheit ab. Hajo, Elena, Thea und Ämpee überlebten wie durch ein Wunder. Mein großer Dank geht vor allem an die Hawaiianer, Karl und Carlos mit ihren selbstlosen lebensgefährlichen Rettungsaktionen. Ich selbst bin aus Verzweiflung zum ABC und heute zum Nordsattel aufgestiegen. Dort habe ich mithilfe der spanischen Bergsteiger und SAG ein kleines Krankenlager errichtet. Vor einer Stunde ist nun das Everlasting Rest Team endlich eingetroffen. Ein Bild des Grauens eröffnete sich mir.
Wahnsinn !!! Alle 3 Gruppen haben den Gipfel des Mount Everest erfolgreich bestiegen. Gratulation von hier unten aus dem Basislager an alle Bergsteiger. Ihr seid die Besten !!!! Aber bedenkt, dies ist erst die halbe Miete, denn die meisten Gefahren drohen beim Abstieg. Also nur eine kurze Rast da oben, auf dem Dach der Welt, ein paar Fotos machen, persönliche Dinge eingraben, Fahnen hissen. In einer halben Stunde dann nichts wie runter.
Halt. Das Wetter hat sich schlagartig verschlechtert. Der Himmel ist richtig dunkel. Ihr solltet dringend wieder absteigen. Das ist so unberechenbar hier. Achtet vor allem auf Hajo und Elena beim Abstieg.
Thea und Ämpee spannen gerade ihre Gleitschirme auf und schnallen die Skier an. Speedriding! Go!
Bin mal auf die Gipfelfotos für die Miss/Mister Everest Wahl gespannt
Hola, wir sind in der Todeszone angekommen. Meine Hände sind taub, die Lunge schmerzt. Jeder kauert bereits in seinem Zelt. Tee wird gereicht. Ein schlimmer Anblick: Fahle Gesichtshaut, Sonnenbrände darauf, bläuliche Lippen. Und immer dieses Gehuste. Das treibt einen noch in den Wahnsinn. Alle Bergsteiger sind jetzt nur noch mit sich selbst beschäftigt. Die Welt dreht sich und ich nuckle an meinem Sauerstoff. Was für ein tolles Medikament! Dies wird mein letzter Gastbericht hier auf Monsterdoc sein.
Heute Nachmittag sind wir nun in Lager 2 auf 7700m angekommen. Alle sind soweit wohlauf. Allerdings gab es einen unangenehmen Zwischenfall auf dem Grat. Elena wäre fast am Fixseil ausgerutscht. Ich konnte gerade noch Schlimmeres verhindern. Ein Karabinerhaken, der gebrochen war! Seltsam. Das Team hat sich deutlich verkleinert. Einige waren am Ende ihrer Kräfte nach den Strapazen der letzten Wochen, der Diarrhö-Geschichte, den GAHL-Dramen. Von dem großen Team sind nur noch 16 Bergsteiger übriggeblieben. Ich habe mir heute abend noch einmal alle medizinisch vorgenommen und kann folgendes berichten.
Gestern früh sind wir endlich zum finalen Anstieg aufgebrochen. Ein “Schönwetterloch” erlaubte dies. Also erst mal wieder auf den Nordsattel hoch, dann heute einen Ruhetag einlegen. Dummerweise brach gestern abend eine zünftige Diarrhö-Epidemie über das Everlasting Rest Team herein. Daher konnte ich gestern auch nicht bloggen. Ich selbst war nicht betroffen, hatte aber allerhand medizinisches zu tun.
Unfassbar, was ich die letzten Tage erlebt habe. Dank einer unglaublichen Rettungsaktion bin ich heute abend gesund und unverletzt zusammen mit Karl, Earlmobile und Carlos wieder im ABC eingetroffen. Das Wetter ist relativ passabel und es folgten wunderschönen Szenen des Wiedersehens. Das Everlasting Rest Team ist wieder vereint. Wir sind in Sicherheit, zumindest vorerst. Doch langsam, was ist eigentlich passiert?
Ereignisse über Ereignisse! Nicht Lawinen oder Gletscherspalten machen uns zu schaffen, sondern die Schergen der GAHL, einer besonders fiesen internationalen Anti-Blogger-Gruppierung. Der Chefarzt konnte gestern abend noch einen Notruf absetzen. An die fünfzig Mann in gestohlenen Uniformen machten sich auf den Weg ins ABC um mehrere Leute unseres Teams zu inhaftieren. Sogar Spür-Yaks wurden eingesetzt.
Aufgrund der sich zuspitzenden Situation gebe ich eine Eil-Blogmeldung raus. Nicht verwirrt sein. Ich bin der Chefarzt, der hier gerade berichtet. Hajo und sein Everlasting-Rest-Team sitzen gerade im ABC und wissen noch nichts von dem Chaos und der drohenden Gefahr hier unten im Basislager. Aber eins nach dem anderen.
Nach ein paar Tagen im ABC-Lager fühlt man sich doch gleich viel fitter. Am Freitag war ne tolle Lounge-Party hier. Da haben wir uns alle vom Everlasting-Rest-Team wieder getroffen, auch viele Spanier und Hawaiianer haben mitgefeiert. Top-Themen waren natürlich die kommende Wahl zur Miss Everest und die Hetzjagd der GAHL (Guys against horrible Webbloggers oder so ähnlich …) auf die zwei Bloggerinnen Federkiel und Elena. Außerdem stieß eine alte Bekannte zum Team dazu: Kranke Schwester, ihres Zeichens Gesundheitsschwester. Sie reiste später an und traf erst letzte Woche im Basislager ein.
Die beiden Bergführer Karl, Carlos und Sherpaführer Earlmobile waren bärenstark. Sie kamen gut auf dem Grat zurecht und spurten. Ihnen konnten nur Thea und Ämpee, die beiden Skibergsteigerinnen, folgen. Hermione, Maia, Sven, Timo und Jack bildeten die zweite Gruppe. Mrs.Federkiel, Hendrik und Walter die dritte. Ich ging mit Elena, einigen spanischen Bergsteigern, Utmonica und Ch-Student. Hans und Susanne bildeten die Nachhut.

Bild: Across the ice bridge von Simonov auf flickr.com, unter einer Creative Commons-Lizenz
Welch ein mühsamer Aufstieg heute auf den Nordsattel. Eigentlich kennen wir diesen Weg doch mittlerweile schon recht gut. Aber es stürmte gehörig, dazu kam ab und an Neuschnee dazu. Sehr ungemütlich. Nun liegen wir alle in unseren Zelten und sind ziemlich geschafft. Aufgrund der vielen Gemeinsamkeiten (Elena und die Miss-Everest-Wahl) sind wir tatsächlich zusammen mit dem spanischen Team aufgestiegen. Carlos (der spanische Leiter) und Karl (unser Chef-Fuzzy) verstehen sich doch erstaunlich gut.
Nach einer stürmischen Nacht sind wir alle wieder ins ABC abgestiegen. Das ging recht locker, da das Wetter erneut recht warm war. Also: Dauenjacken wieder weglegen, T-Shirts rausholen. Der Chefarzt begrüßte uns natürlich sehr herzlich. Maia und Mrs.Federkiel trafen etwa 1 Stunde vor dem Rest des Teams im Lager ein. Starke Sache.
Nachdem wir ein paar Tage im ABC verbracht haben, ging es heute endlich los auf den Nordsattel in 7000m Höhe. Auch dort waren wir ja bereits einmal. Allerdings werden wir heute übernachten. Es ist mittlerweile richtig kalt geworden, ein ekelhafter Sturm bläst uns fast die Zelte weg. Die Yaks können in diesem Gelände leider nicht mehr mitkommen. Heute morgen untersuchte ich einige der Expeditionsteilnehmer ausgiebig. Manche behaupteten steif und fest, sie hätten ein monsterähnliches Wesen gehört, gesehen oder gerochen. Das könnte natürlich auf eine beginnende Höhenkrankheit hindeuten.
Heute Nacht hat es 10 cm Neuschnee gegeben, doch morgens klarte es bereits wieder auf und wir konnten tatsächlich in T-Shirts zum vorgeschobenen Basislager (ABC) aufsteigen. Das Wetter ist so wechselhaft am Everest, mal Sturmböen und Minusgrade, im nächsten Moment schwitzt man wieder wie ein Yak. Einfach unberechenbar. Aber wir sind nunmal auf keinem Ponyhof.

Bild: Mt.Everest von Sistak auf flickr.com, unter einer Creative Commons-Lizenz
Gerade eben ist Tanja (24), die etwas zickige Studentin der Philosophie und Germanistik, im TV-Kino-Zelt des Basislagers verschwunden. Dort läuft German-TV mit gewissen Schönheitssendungen. Sie ist angeblich früher selbst mal Model gewesen. Trotz ihrer Jugend besitzt sie eine große alpinistische Erfahrung in Europa. Unauffällig folge ich ihr in dieses Zelt. Oh Wunder, das halbe Everlasting-Rest-Team sitzt dort und glotzt auf die Mattscheibe.
Mittlerweile ist es also erwiesen, dass Blogger hier im Basislager nicht so gerne gesehen werden. Warum eigentlich? Federkiel und Elena wurden bereits kurzzeitig im Isolationszelt für Schreib-Erkrankte festgehalten. Möglicherweise ist diese Form der Therapie am Ende doch noch sinnvoll? Sind wir denn alle schreibsüchtig? Ich bekomme etwas Angst (siehe: Erkrankungen bei Bloggern). Glücklicherweise sind nun beide Damen wieder frei. Die gestrige Befreiungsaktion wurde eindrucksvoll von Federkiel beschrieben.
Heute sind wir alle wieder heil ins Basislager zurückgekehrt. Die ersten Blessuren sind rasch verarztet. Jetzt heisst es erst einmal duschen, frisch machen und die nächsten Tage einfach nur entspannen und schlafen. Es ist unglaublich warm geworden, bis zu 20 Grad zeigt das Thermometer. Es ist unfassbar, aber am Everest kann man auch so richtig schwitzen.
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